In einer kleinen Felsspalte am Meeresgrund wohnte ein kleiner Krebs namens Krabbi. Krabbi war sehr schüchtern und ängstlich. Am liebsten blieb er tief in seiner Felsspalte versteckt, wo ihm nichts passieren konnte. „Draußen ist es viel zu gefährlich“, sagte er. „Hier drin bin ich sicher.“
Während die anderen kleinen Meerestiere fröhlich umherschwammen, im Sand wühlten und spielten, schaute Krabbi nur aus seinem Versteck zu. „Komm raus, Krabbi!“, riefen sie. „Spiel mit uns!“ Doch Krabbi schüttelte ängstlich die Scheren. „Nein, nein. Hier drin ist es sicherer.“ Und so verpasste er all den Spaß.
Eines Tages spielten die kleinen Fische ganz in der Nähe von Krabbis Versteck Fangen. Da geriet der kleinste Fisch, Flossi, mit der Schwanzflosse zwischen zwei Steine und konnte sich nicht mehr befreien. „Hilfe!“, rief Flossi verzweifelt. „Ich stecke fest!“ Die anderen Fische zerrten und zogen, doch sie hatten keine Scheren, um die Steine zu bewegen.
Krabbi sah von seinem Versteck aus, wie sein Freund Flossi feststeckte. Sein Herz klopfte. „Ich müsste helfen“, dachte er. „Mit meinen starken Scheren könnte ich die Steine wegschieben. Aber dafür muss ich raus aus meinem sicheren Versteck …“ Krabbi zögerte. Die Angst hielt ihn fest. Doch Flossis Hilferufe wurden immer verzweifelter.
„Flossi braucht mich“, sagte sich Krabbi schließlich. „Ich darf jetzt nicht an meine Angst denken.“ Und so kroch er zum ersten Mal seit langer Zeit ganz aus seinem Versteck heraus, hinüber zu Flossi. Sein Herz pochte wild, aber er gab nicht auf. Mit seinen kräftigen Scheren packte er die Steine.
Krabbi schob und drückte mit aller Kraft, und langsam bewegten sich die schweren Steine zur Seite. „Geschafft!“, rief er, als endlich genug Platz war. Flossi zog seine Flosse heraus und war frei. „Danke, Krabbi!“, jubelte er. „Du hast mich gerettet! Und du hast dich aus deinem Versteck getraut!“
Krabbi schaute sich um. Er war draußen, mitten im weiten Meer – und es war gar nicht so gefährlich, wie er immer gedacht hatte. Im Gegenteil: Das Wasser war herrlich, die anderen Tiere freundlich, und überall gab es Spannendes zu entdecken. „Ich war so mutig“, staunte Krabbi. „Und draußen ist es ja wunderschön!“
Von da an versteckte sich Krabbi nicht mehr ständig. Er spielte mit den anderen, erkundete das Riff und genoss das Leben im Meer. Am Abend kroch er zufrieden in seine Felsspalte zurück. „Mutig sein lohnt sich“, dachte er glücklich und schlief, sanft vom Meer gewiegt, zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Krabbi.
