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Der mürrische Kater wird sanft

Gefühle (Wut/Angst) · Freundschaftab 5 4 Min.
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Auf einem alten Bauernhof lebte ein Kater namens Murr. Murr war ziemlich mürrisch. Er fauchte jeden an, der ihm zu nahe kam, und schlug mit der Pfote nach allen, die ihn streicheln wollten. „Lasst mich in Ruhe!“, knurrte er und zog sich grummelnd in seine Ecke zurück. Die anderen Tiere machten lieber einen großen Bogen um ihn.

Niemand wusste, warum Murr immer so schlecht gelaunt war. In Wahrheit war der alte Kater einfach einsam. Vor langer Zeit hatte ihn jemand schlecht behandelt, und seitdem traute er niemandem mehr und versteckte sein weiches Herz hinter lautem Fauchen. „Freunde brauche ich nicht“, behauptete er. Doch insgeheim sehnte er sich nach Wärme.

Eines Tages tauchte auf dem Hof ein winziges, verlassenes Kätzchen auf. Es war ganz allein, fror und hatte Hunger. Zielsicher tapste es direkt auf den mürrischen Murr zu und kuschelte sich ohne jede Angst an seine Seite. „Was soll das?“, fauchte Murr und wollte das Kätzchen wegscheuchen. Doch das Kleine schnurrte nur zufrieden und kuschelte sich enger.

Murr war ganz verwirrt. „Geh weg“, brummte er, aber diesmal nicht mehr so böse. Das Kätzchen schaute ihn mit großen, vertrauensvollen Augen an und maunzte leise. Es hatte einfach keine Angst vor ihm. Und das warme, schnurrende Fellknäuel an seiner Seite fühlte sich – Murr wollte es kaum zugeben – richtig schön an.

Vorsichtig, ganz vorsichtig, leckte Murr dem kleinen Kätzchen über den Kopf. Das Kätzchen schnurrte glücklich und schmiegte sich an ihn. Und auf einmal spürte Murr in seiner alten, harten Katzenbrust etwas Warmes, Weiches, das er lange nicht mehr gefühlt hatte. Es tat gut. „Na ja“, brummte er sanfter, „du kannst ja bleiben.“

Von da an kümmerte sich Murr um das kleine Kätzchen. Er wärmte es nachts, teilte sein Futter und beschützte es vor Gefahren. Und mit jedem Tag wurde der mürrische Kater ein bisschen sanfter. Sein Fauchen wurde seltener, sein Schnurren öfter. Das kleine Kätzchen hatte sein verstecktes, weiches Herz wieder geweckt.

Bald war Murr gar nicht mehr mürrisch. Er spielte mit dem Kätzchen, ließ sich sogar von den Kindern streicheln und schnurrte zufrieden in der Sonne. „Ich dachte, ich bräuchte niemanden“, sagte er zum Kätzchen. „Dabei habe ich mir die ganze Zeit jemanden gewünscht, der mich liebhat.“ Die anderen Tiere staunten über den verwandelten Kater.

Am Abend rollten sich Murr und das kleine Kätzchen eng aneinandergekuschelt im warmen Stroh zusammen. Murr schnurrte tief und zufrieden. „Zärtlichkeit ist schöner als Fauchen“, dachte er glücklich. Und während draußen die Sterne über dem Bauernhof aufgingen, schliefen der alte Kater und sein kleiner Freund friedlich ein. Schlaf gut, lieber Murr.