Im weiten Weltall sauste ein junger Komet namens Kuli umher. Kuli war unglaublich schnell – schneller als alle anderen Kometen. Mit seinem langen, glitzernden Schweif raste er durch das All, vorbei an Planeten und Sternen, immer in voller Geschwindigkeit. „Schneller ist besser!“, rief Kuli stolz. „Niemand ist so flott wie ich!“
Doch weil Kuli immer so schnell unterwegs war, sauste er an allem vorbei, ohne es richtig zu sehen. Die wunderschönen Ringe des Saturn? Nur ein verschwommener Streifen. Die leuchtenden Nebel in bunten Farben? Im Vorbeiflug kaum zu erkennen. „Was gibt es da eigentlich zu sehen?“, fragte er sich manchmal – aber zum Hinschauen war er viel zu schnell.
Die anderen Himmelskörper bewunderten gemütlich das Weltall. „Schau, wie schön der Sternennebel heute leuchtet!“, sagten sie. Doch wenn Kuli vorbeiraste, hatte er alles schon hinter sich, bevor er auch nur hinschauen konnte. „Du verpasst ja die ganze Schönheit“, sagte ein alter, ruhiger Planet kopfschüttelnd. Doch Kuli winkte im Vorbeisausen nur ab.
Eines Tages aber wurde Kuli langsam müde vom ständigen Rasen. Erschöpft bremste er ab und kam – zum ersten Mal überhaupt – fast zum Stillstand, mitten in einem wunderschönen, farbenprächtigen Sternennebel. Und als Kuli sich endlich umschaute, blieb ihm fast der Atem stehen vor Staunen.
Um ihn herum leuchtete der Nebel in den schönsten Farben: in tiefem Violett, leuchtendem Blau und warmem Rosa. Junge Sterne wurden hier geboren und funkelten wie Diamanten. Kosmischer Staub glitzerte sanft. „Wie wunderschön!“, flüsterte Kuli ergriffen. „Das habe ich die ganze Zeit übersehen, weil ich immer zu schnell war.“
Kuli schwebte lange ganz langsam durch den Nebel und genoss jeden Anblick. Er sah die Geburt der Sterne, das sanfte Leuchten des Staubs, die tanzenden Farben. Es war das Schönste, was er je erlebt hatte. „Langsam zu sein ist gar nicht langweilig“, staunte er. „Im Gegenteil – jetzt sehe ich endlich all die Wunder.“
Von da an raste Kuli nicht mehr ununterbrochen durchs All. Mal flog er schnell, weil das Spaß machte, aber oft wurde er auch langsamer, um die Schönheit des Weltalls zu bewundern. „Schnell sein ist schön“, sagte er, „aber manchmal lohnt es sich, langsamer zu werden und genau hinzuschauen.“ Die anderen Himmelskörper freuten sich, dass Kuli nun öfter mit ihnen staunte.
Am Ende eines langen Tages im All ließ sich Kuli zufrieden in einem ruhigen Winkel des Weltraums treiben, sein Schweif leuchtete sanft. „Es gibt so viel Schönes zu sehen“, dachte er glücklich, „wenn man sich nur Zeit nimmt.“ Sanft schwebend zwischen den Sternen, kam der junge Komet zur Ruhe. Gute Nacht, kleiner Kuli.
