Tief im Wald, unter den Wurzeln einer uralten Eiche, wohnte ein kleiner Kobold namens Knirps. Knirps liebte glänzende Dinge über alles: Goldstücke, funkelnde Steine, glitzernde Knöpfe. Sein ganzer Bau war voll davon, gestapelt bis unter die Decke. „Alles meins“, kicherte er und rieb sich die Hände. „Und niemand bekommt auch nur ein einziges Stück.“
Knirps teilte niemals. Wenn ein anderes Waldwesen vorbeikam, versteckte er schnell seine Schätze und scheuchte den Besucher fort. „Verschwinde! Hier gibt es nichts für dich!“ So saß er Abend für Abend allein auf seinem Goldhaufen. Doch je mehr er hortete, desto grauer und glanzloser schien sein Gold zu werden.
Eines Tages kam ein kleines Wichtelmädchen an seinen Bau. Es zitterte vor Kälte, denn der Winter stand vor der Tür. „Lieber Kobold“, bat es, „hättest du vielleicht ein Stück Stoff oder etwas Warmes? Mir ist so kalt.“ Knirps wollte es schon fortschicken – doch das Mädchen sah ihn so traurig an, dass er zögerte.
Brummend kramte Knirps einen alten, glänzenden Goldfaden hervor, den er ohnehin nie benutzte. „Hier“, knurrte er und reichte ihn dem Mädchen. „Aber nur, damit du gehst.“ Das Wichtelmädchen strahlte. „Oh, danke! Daraus kann ich mir einen warmen Schal weben!“ Und in dem Moment, als das Mädchen lächelte, geschah etwas Seltsames.
Der Goldfaden in der Hand des Mädchens begann plötzlich heller zu leuchten als je zuvor, warm und golden. Knirps starrte verblüfft. „Wie hast du das gemacht?“, fragte er. Eine alte Waldfee, die alles beobachtet hatte, trat hervor. „Das hast du gemacht, kleiner Knirps“, sagte sie lächelnd. „Geteiltes Gold glänzt am hellsten. Schätze, die man hortet, werden stumpf. Schätze, die man teilt, leuchten.“
Knirps konnte es kaum glauben. Neugierig holte er noch ein Goldstück hervor und schenkte es einem frierenden Eichhörnchen. Und tatsächlich – sofort begann es warm zu glänzen. Knirps schenkte mehr und mehr: dem Igel, der Maus, dem alten Raben. Und mit jedem geteilten Stück leuchtete sein ganzer Bau heller und heller.
Bald war Knirps’ Höhle erfüllt von warmem, goldenem Licht – und von vielen dankbaren Freunden, die ihn besuchten. Knirps merkte, dass ihn das viel glücklicher machte als der größte Goldhaufen. „Teilen ist ja viel schöner als Horten“, staunte er. Die Waldfee nickte zufrieden.
Von da an war Knirps der großzügigste Kobold im ganzen Wald, und sein Bau leuchtete heller als jeder Schatz. Am Abend kuschelte er sich zufrieden in sein warmes, golden schimmerndes Nest, umgeben von seinen Freunden. „Geteiltes Glück glänzt am schönsten“, dachte er und schlief glücklich ein. Schlaf gut, kleiner Knirps.
