In einem kleinen Bahnhof am Fuß eines hohen Berges lebte eine kleine, blaue Lokomotive namens Lulu. Lulu zog gern leichte Wagen durch das flache Tal, tuck-tuck-tuck, fröhlich und schnell. Doch eines Tages bekam sie eine schwere Aufgabe: Sie sollte einen großen Wagen voller Spielzeug über den hohen Berg ziehen, ins Dorf auf der anderen Seite.
Lulu schaute den steilen Berg hinauf und wurde ganz mutlos. „Der ist so hoch, und der Wagen ist so schwer“, dachte sie. „Das schaffe ich nie. Ich bin doch nur eine kleine Lok.“ Die großen Lokomotiven waren alle unterwegs, und so blieb die Aufgabe an Lulu hängen. „Aber die Kinder im Dorf warten auf ihr Spielzeug“, sagte sie sich.
Lulu spannte sich vor den schweren Wagen und begann, den Berg hinaufzufahren. Tuck … tuck … tuck. Anfangs ging es noch. Doch je steiler der Weg wurde, desto schwerer wurde der Wagen. Lulus Räder drehten, ihr Kessel ächzte. „Ich glaube, ich schaffe es nicht“, keuchte sie und wurde langsamer.
Schon wollte Lulu aufgeben. Doch dann dachte sie an die Kinder, die sich so auf das Spielzeug freuten. Sie holte tief Luft und begann, sich selbst Mut zuzusprechen, im Takt ihrer Räder: „Ich-schaff-es, ich-schaff-es, ich-schaff-es.“ Tuck-tuck-tuck. Mit jedem Mal, das sie es sagte, fühlte sie sich ein kleines bisschen stärker.
„Ich-schaff-es, ich-schaff-es!“, schnaufte Lulu und fuhr weiter, Zentimeter für Zentimeter, den steilen Berg hinauf. Es war anstrengend, und mehr als einmal wäre sie fast stehen geblieben. Doch sie gab nicht auf und wiederholte tapfer ihren Spruch. „Ich-schaff-es, ich-schaff-es!“
Und dann – auf einmal wurde der Weg flacher. Lulu hatte den Gipfel erreicht! Vor ihr ging es nun bergab, und das ganze Tal mit dem Dorf lag friedlich unter ihr. „Ich hab's geschafft!“, jubelte Lulu und konnte es kaum glauben. „Ich bin ganz allein über den Berg gekommen!“
Vorsichtig rollte Lulu mit dem schweren Wagen den Berg hinunter bis ins Dorf. Die Kinder jubelten, als ihr Spielzeug ankam. „Danke, kleine Lok!“, riefen sie. Lulu pfiff vor Freude. Sie war so stolz – sie hatte etwas geschafft, das sie sich selbst nie zugetraut hätte.
Am Abend stand Lulu zufrieden im Bahnhof des Dorfes. „Ich dachte, ich sei zu klein“, dachte sie, „aber wenn man nicht aufgibt und an sich glaubt, schafft man auch den höchsten Berg.“ Müde von der großen Anstrengung ließ sie ihren Kessel abkühlen und schlummerte zufrieden ein. Gute Nacht, kleine Lulu.
