Hoch in den bewaldeten Bergen lebte ein kleiner Wolf namens Wuff. Wuff liebte sein Rudel über alles, besonders, wenn alle abends gemeinsam zum Mond heulten. Es klang so schön und voll, wenn die Wölfe ihre Stimmen erhoben. Wuff wollte unbedingt mitheulen. Doch wenn er es versuchte, kam nur ein winziges „Piep!“ heraus, kaum lauter als das Fiepen einer Maus.
Die anderen jungen Wölfe kicherten. „Das soll ein Heulen sein?“, lachten sie. „Das war ja nur ein Piepsen!“ Wuff wurde ganz verlegen und verkroch sich beschämt. „Ich werde nie richtig heulen können“, dachte er traurig. „Ich bin ein Wolf, der nur piepsen kann.“ Beim abendlichen Heulen blieb er von nun an lieber still.
Seine Mama bemerkte, wie bekümmert Wuff war. „Was ist los, mein Kleiner?“, fragte sie sanft. „Ich kann nicht heulen wie die anderen“, gestand Wuff. „Es kommt nur ein Piepsen heraus.“ Mama leckte ihm liebevoll über den Kopf. „Weißt du, Wuff“, sagte sie, „jeder junge Wolf muss das Heulen erst lernen. Deine Stimme ist noch klein, so wie du. Sie wächst mit dir. Du musst nur üben und geduldig sein.“
„Komm“, sagte Mama, „ich zeige dir, wie es geht. Hol die Luft ganz tief aus deinem Bauch, nicht nur aus dem Hals. Und heul nicht, um lauter zu sein als die anderen. Heul einfach, weil du dich freust, beim Rudel zu sein.“ Wuff nickte und probierte es gleich. Er holte tief Luft aus dem Bauch, dachte an sein liebes Rudel und ließ einen Laut heraus.
Diesmal war es kein Piepsen mehr, sondern ein kleines, klares „Auuu!“ Es war noch nicht laut und voll wie das Heulen der Großen, aber es war ein echtes Wolfsheulen. „Ich hab geheult!“, freute sich Wuff. „Hast du das gehört, Mama?“ „Das habe ich“, sagte Mama stolz. „Und es war wunderschön. Heul jeden Tag ein bisschen, dann wird deine Stimme immer kräftiger.“
Und so übte Wuff jeden Tag, ganz ohne sich mit den anderen zu vergleichen. Mal heulte er den Bäumen etwas vor, mal dem plätschernden Bach, mal einfach in den Wind. Seine Stimme wurde Woche für Woche ein kleines Stückchen kräftiger und voller. Und das Wichtigste: Wuff schämte sich nicht mehr.
Eines Abends, als das ganze Rudel zum runden Mond heulte, stellte sich Wuff dazu. Er holte tief Luft aus dem Bauch, dachte an sein liebes Rudel und heulte – und diesmal klang seine Stimme klar und schön und mischte sich wunderbar in den Chor der anderen. „Wuff heult mit!“, riefen die jungen Wölfe staunend. „Und wie schön das klingt!“
Wuff strahlte. Zum ersten Mal heulte er gemeinsam mit dem ganzen Rudel zum Mond, und es fühlte sich wunderbar an. Seine Stimme war nicht die lauteste, aber sie war seine eigene, und sie klang voll und froh. „Ich kann heulen“, dachte er stolz, „auf meine ganz eigene Art.“
Am Abend, nach dem schönen gemeinsamen Heulen, kuschelte sich Wuff zufrieden an seine Mama ins warme Rudel. „Eines Tages heule ich so voll wie die Großen“, sagte er verschlafen und stolz. „Ganz bestimmt“, schnurrte Mama. Der Mond leuchtete silbern über den Bergen, ein kühler Wind strich durch die Bäume, und zufrieden und stolz auf seine Stimme schlief der kleine Wolf Wuff ein. Schlaf gut, Wuff. Gute Nacht.
