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Der kleine Waschbär und die leise Nacht

Gefühle (Wut/Angst)ab 3 3 Min.
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Am Rand des großen Waldes, dort wo der Bach über die glatten Steine plätschert, lebte ein kleiner Waschbär namens Rino. Rino war neugierig wie kein zweiter. Während die anderen Tiere am Abend müde wurden und sich in ihre Nester kuschelten, war Rino noch putzmunter. Seine Augen glänzten, seine kleinen Pfoten kribbelten, und sein Kopf war voller Fragen.

„Mama, ich kann noch nicht schlafen“, sagte er und zupfte an ihrem weichen Fell. „In meinem Bauch ist noch so viel Wach.“ Mama Waschbär lächelte. Sie kannte das gut. „Dann komm, mein Kleiner“, sagte sie leise. „Ich zeige dir, wie die Nacht zur Ruhe kommt. Und wenn die ganze Nacht zur Ruhe kommt, dann findest auch du deinen Schlaf.“

Gemeinsam kletterten sie aus der gemütlichen Baumhöhle. Draußen war alles in sanftes, silbernes Mondlicht getaucht. Die Luft roch nach Moos und nach dem kühlen Wasser des Baches. „Hör genau hin“, flüsterte Mama. „Was hörst du?“ Rino spitzte die Ohren. Zuerst hörte er gar nichts. Doch dann, ganz langsam, kam ein leises Plätschern an sein Ohr. Der Bach sang sein feines Lied, immer weiter, immer gleich.

„Der Bach wird auch langsam müde“, sagte Mama. „Sein Plätschern wird leiser, je tiefer die Nacht wird. Hör nur, wie ruhig er fließt.“ Rino lauschte dem Wasser, und tatsächlich – sein Atem wurde schon ein kleines bisschen langsamer. Sie gingen weiter, vorbei an den hohen Gräsern, die sich im Nachtwind ganz sacht hin und her wiegten, hin und her, wie zum Gruß.

Auf einer kleinen Lichtung blieben sie stehen. Über ihnen funkelten unzählige Sterne. „Schau, Rino“, sagte Mama. „Die Sterne sind die Nachtlichter des Himmels. Sie passen auf alle auf, die schlafen.“ Rino legte den Kopf in den Nacken und staunte. Ein winziger Stern blinkte ihm zu, als würde er ihm eine gute Nacht wünschen. Rino musste gähnen, ganz weit und herzhaft.

Da raschelte es im Gebüsch. Eine kleine Igelfamilie machte sich gerade auf den Heimweg. „Gute Nacht, Rino“, flüsterten die Igel im Vorbeigehen. „Gute Nacht“, murmelte Rino zurück. Auf einem Ast saß die alte Eule und steckte den Kopf unter den Flügel. Sogar die Glühwürmchen, die eben noch getanzt hatten, ließen ihre Lichter eins nach dem anderen langsam ausgehen.

„Siehst du?“, sagte Mama Waschbär sanft. „Der Bach wird leise, der Wind wird ruhig, die Tiere schließen die Augen. Die ganze Nacht legt sich schlafen. Und das Schönste ist: Du musst gar nichts tun. Du darfst einfach mitmachen.“ Rino nickte langsam. Seine Augenlider wurden schwer, so schwer wie zwei kleine Kastanien.

Sie kletterten zurück in die warme Baumhöhle. Rino kuschelte sich tief in das weiche Moos, und Mama legte einen Arm um ihn. „Atme ein“, flüsterte sie, „und ganz langsam wieder aus.“ Rino atmete ein und aus, und mit jedem Atemzug sank er ein bisschen tiefer in den Schlaf. Draußen plätscherte der Bach ganz leise, der Wind strich warm durch die Blätter, und die Sterne wachten still über dem ganzen Wald.

Und während die Nacht ihn sanft im Arm hielt, schlief der kleine Waschbär Rino endlich ein – zufrieden, geborgen und glücklich. Schlaf gut, kleiner Rino. Schlaf gut.