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Der kleine Waschbär und das Saubermachen

Gefühle (Wut/Angst) · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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Am Bach im Wald lebte ein kleiner Waschbär namens Wuschel. Waschbären waschen ja gern – aber Wuschel übertrieb es ein bisschen. Er wusch seine Beeren, seine Nüsse, seine Steine, sein Moos und sogar die Blätter vor seiner Höhle. „Alles muss sauber und ordentlich sein!“, sagte er und schrubbte und putzte den ganzen Tag.

Während die anderen Waschbärkinder fröhlich spielten, im Bach planschten und durch die Bäume tollten, war Wuschel immer am Putzen. „Komm spielen, Wuschel!“, riefen sie. „Gleich“, sagte Wuschel, „ich muss nur noch diesen Stein waschen. Und dieses Blatt. Und meine Höhle aufräumen.“ Doch er wurde nie fertig, denn es gab immer etwas zu putzen.

Eines Tages bemerkte Wuschel traurig, dass die anderen schon den ganzen schönen Tag zusammen erlebt hatten – während er nur geputzt hatte. „Ich habe das tolle Spielen am Bach verpasst“, seufzte er. „Und das Klettern und das Verstecken.“ Aber sein Drang, alles sauber zu halten, ließ ihn einfach nicht los.

Die weise alte Waschbärtante sah Wuschels Kummer. „Lieber Wuschel“, sagte sie sanft, „es ist schön, dass du gern sauber machst. Aber weißt du, das Leben besteht nicht nur aus Putzen. Ein bisschen Unordnung ist völlig in Ordnung. Es ist viel wichtiger, auch zu spielen, zu lachen und Freunde zu haben.“

Wuschel war überrascht. „Aber wenn ich nicht alles wasche, ist es doch schmutzig“, sagte er. Die Tante lächelte. „Ein paar Erdkrümel und ein bisschen Unordnung schaden niemandem. Schau, deine Freunde haben den ganzen Tag im Matsch gespielt und hatten riesigen Spaß. Probier es doch auch einmal – lass das Putzen für heute sein und spiel mit.“

Wuschel zögerte. Dann legte er entschlossen seinen Putzlappen beiseite. „Heute spiele ich!“, beschloss er und rannte zu den anderen Waschbärkindern an den Bach. Er planschte im Wasser, kletterte auf Bäume, spielte Verstecken und kugelte sich durchs Laub – und es machte riesigen Spaß! Er lachte so viel wie noch nie.

Am Abend war Wuschel zwar ein bisschen schmutzig und voller Blätter, aber so glücklich wie lange nicht mehr. „Das war der schönste Tag überhaupt“, sagte er. „Ich habe gar nichts geputzt und trotzdem – nein, gerade deshalb – so viel Spaß gehabt.“ Er hatte gelernt: Ein bisschen Unordnung macht das Leben bunt.

Von da an putzte Wuschel zwar noch gern, aber er ließ sich immer genug Zeit zum Spielen und für seine Freunde. Am Abend kuschelte er sich zufrieden in seine – ein klein wenig unordentliche – Höhle. „Spielen ist genauso wichtig wie Saubermachen“, dachte er glücklich und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Wuschel.