Hoch auf einem alten Schornstein, in einem großen Storchennest, wuchs der kleine Storch Pepe heran. Den ganzen Sommer über hatte er auf der Wiese nach Futter gestochert, das Fliegen geübt und mit den anderen jungen Störchen gespielt. Doch nun wurden die Tage kürzer und kühler, und das bedeutete: Bald würde die große Reise in den warmen Süden beginnen.
„Eine so weite Reise?“, fragte Pepe ängstlich, als seine Mama davon erzählte. „Bis ganz nach Afrika? Das ist doch viel zu weit! Das schaffe ich nie.“ Mama Storch strich ihm sanft mit dem Schnabel übers Gefieder. „Es ist weit, das stimmt“, sagte sie. „Aber du fliegst ja nicht allein. Wir fliegen alle zusammen, im großen Schwarm. Und gemeinsam schafft man auch die weiteste Reise.“
Pepe war trotzdem mulmig zumute. In der Nacht vor der Abreise konnte er kaum schlafen vor Sorge. „Was, wenn ich nicht weit genug fliegen kann?“, dachte er. „Was, wenn ich müde werde und zurückbleibe?“ Seine Flügel fühlten sich auf einmal ganz klein und schwach an. Doch am Morgen war es so weit: Der große Schwarm sammelte sich am Himmel.
Hunderte Störche stiegen auf, und Pepe flog mittendrin, dicht bei seiner Familie. Anfangs war es anstrengend, und Pepes Flügel wurden bald müde. „Ich kann nicht mehr“, keuchte er. Doch da zeigte ihm ein alter, erfahrener Storch einen Trick. „Flieg hinter mir“, rief er. „Im Windschatten des Vordermanns fliegt es sich viel leichter. So helfen wir uns gegenseitig.“
Pepe flog in den Windschatten des großen Storchs, und tatsächlich – auf einmal ging das Fliegen viel leichter. Der Wind trug ihn fast von selbst. „Das ist ja toll!“, staunte Pepe. „So muss ich gar nicht so viel Kraft aufwenden.“ Er verstand: Im Schwarm wechselten sich die Störche ab, jeder flog mal vorn und half den anderen. Niemand musste die ganze Last allein tragen.
Tag für Tag flog der Schwarm weiter, über grüne Wälder, glitzernde Flüsse und hohe Berge. Pepe sah Dinge, die er noch nie gesehen hatte, und mit jedem Tag wurde er ein stärkerer Flieger. Seine Angst war einem stolzen, mutigen Gefühl gewichen. „Ich schaffe das wirklich“, dachte er. „Weil wir alle zusammenhalten.“
Wenn der Schwarm abends rastete, kuschelten sich die Störche zum Schlafen zusammen, und die Alten erzählten von dem warmen, sonnigen Land, das vor ihnen lag. „Dort gibt es saftige Wiesen und warme Sonne den ganzen Winter“, schwärmten sie. Pepe freute sich nun richtig auf das Ziel und war stolz, ein Teil dieser großen Reise zu sein.
Endlich, nach vielen Tagen, erreichte der Schwarm den warmen Süden. Unter ihnen breitete sich ein weites, sonniges Land aus, mit grünen Ebenen und glitzernden Wasserstellen. „Wir sind da!“, jubelten die Störche und ließen sich auf einer prächtigen Wiese nieder. Pepe konnte es kaum glauben. „Ich habe die ganze weite Reise geschafft!“, rief er stolz.
Am Abend, müde aber überglücklich, kuschelte sich Pepe an seine Familie. Die warme Abendsonne wärmte sein Gefieder. „Ich hatte solche Angst vor der Reise“, sagte er schläfrig, „und jetzt bin ich richtig stolz, dass wir es geschafft haben.“ Mama legte einen Flügel um ihn. Die Sterne erschienen über dem warmen Land, eine sanfte Brise strich über die Wiese, und stolz und zufrieden schlief der kleine Storch Pepe ein. Schlaf gut, Pepe. Gute Nacht.
