Hoch am Nachthimmel wohnte ein kleiner Stern namens Tilo. Tilo leuchtete jede Nacht über einem kleinen Dorf und schaute gern auf die Häuser und Gärten hinab. Besonders mochte er ein bestimmtes Fenster, hinter dem ein kleines Mädchen wohnte, das jeden Abend zu den Sternen hinaufschaute.
Eines Abends hörte Tilo, wie das Mädchen traurig flüsterte: „Lieber Himmel, ich wünsche mir so sehr einen Freund. Ich bin nämlich neu hier und kenne noch niemanden, und ich fühle mich so allein.“ Eine Träne glänzte auf ihrer Wange. Tilos kleines Sternenherz wurde ganz schwer. „Ich möchte ihr helfen“, dachte er.
Doch wie konnte ein Stern einen Wunsch erfüllen? Tilo wusste: Es gab eine Möglichkeit. Wenn ein Stern als Sternschnuppe vom Himmel sauste, konnte sein Licht einen Wunsch wahr werden lassen. Doch dafür musste Tilo seinen sicheren Platz am Himmel verlassen und mutig hinabspringen. „Das ist weit und ich habe ein bisschen Angst“, dachte er.
Aber Tilo dachte an das einsame Mädchen und ihren Herzenswunsch. „Wenn ich nicht springe, bleibt sie traurig und allein“, sagte er sich. „Das will ich nicht.“ Er holte tief Luft, sammelte all seinen Mut – und sprang. Mit einem leuchtenden Schweif sauste Tilo als Sternschnuppe über den ganzen Nachthimmel.
Das Mädchen am Fenster sah die Sternschnuppe und staunte. „Eine Sternschnuppe!“, flüsterte sie und schloss schnell die Augen, um sich ihren Wunsch noch einmal zu wünschen: einen Freund. Tilo leuchtete dabei so hell und warm, wie er nur konnte, und schickte all seine Kraft in den Wunsch des Mädchens.
Und tatsächlich: Am nächsten Morgen zog nebenan eine neue Familie ein – mit einem Mädchen in genau dem gleichen Alter. Die beiden trafen sich im Garten, verstanden sich auf Anhieb und wurden sofort die besten Freundinnen. „Mein Wunsch ist wahr geworden!“, jubelte das Mädchen überglücklich. „Die Sternschnuppe hat ihn erfüllt!“
Hoch oben am Himmel hatte Tilo seinen Platz wiedergefunden und leuchtete glücklich. Er hatte seinen sicheren Ort verlassen und Mut bewiesen – und dafür einem einsamen Kind das größte Glück geschenkt. „Es hat sich gelohnt“, dachte er zufrieden und strahlte heller als je zuvor.
Jeden Abend schaute das Mädchen nun mit ihrer neuen Freundin zu den Sternen hinauf, und ganz besonders zu einem bestimmten, hell leuchtenden Stern. „Danke, kleiner Stern“, flüsterte sie. Und Tilo funkelte glücklich zurück. Zufrieden schloss er am Morgen die Augen und schlief selig ein. Gute Nacht, kleiner Tilo.
