schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Der kleine Stegosaurus und seine Platten

Selbstvertrauenab 5 4 Min.
Schrift

Vor langer, langer Zeit lebte in einem grünen Urzeittal ein kleiner Stegosaurus namens Stego. Auf seinem Rücken trug Stego eine ganze Reihe großer, fächerförmiger Platten. Doch Stego mochte seine Platten überhaupt nicht. „Sie sind so groß und albern“, klagte er. „Die anderen Dinos haben einen schönen glatten Rücken, und ich schleppe diese komischen Platten mit mir herum.“

Wenn Stego die langhalsigen Dinos sah, die elegant durchs Tal stapften, oder die schnellen kleinen Dinos, die flink umherflitzten, wurde er ganz traurig. „Warum muss ausgerechnet ich diese Platten haben?“, seufzte er. Er versuchte sogar, sie im Schlamm zu verstecken, doch natürlich blieben die großen Platten auf seinem Rücken, wo sie waren.

Eines Tages war es besonders heiß im Urzeittal. Die Sonne brannte vom Himmel, und alle Dinos suchten stöhnend nach Schatten. Auch Stego war heiß, doch da bemerkte er etwas Seltsames: Wenn er sich so stellte, dass die Sonne auf seine Platten schien, fühlte er sich angenehm kühl. Seine großen Platten fingen den Wind ein und kühlten ihn ab.

„Wie machst du das nur, dass dir nicht so heiß ist?“, fragten die anderen Dinos, die stöhnend im Schatten lagen. Stego überlegte. „Ich glaube, es sind meine Platten“, sagte er staunend. Da kam der weise alte Stegosaurus vorbei und nickte. „Ganz richtig“, sagte er. „Unsere Platten sind etwas Wunderbares. Sie fangen den Wind ein und kühlen uns an heißen Tagen. Und in der Morgensonne wärmen sie uns, wenn es kalt ist.“

Stego war verblüfft. „Meine Platten können das alles?“ „Das können sie“, sagte der alte Stegosaurus. „Und nicht nur das: Wenn Gefahr droht, können sich unsere Platten mit Blut füllen und leuchtend rot werden. Das schreckt jeden Angreifer ab. Kein anderer Dino hat so etwas. Deine Platten, Stego, sind dein ganz besonderes Geschenk.“

Stego schaute über seine Schulter auf seine Platten und sah sie zum ersten Mal mit anderen Augen. Sie waren gar nicht albern – sie waren nützlich und besonders. „Ich kann mich kühlen und wärmen und sogar schützen“, sagte er stolz. „Das können die glatten Dinos alle nicht.“ Ein warmer Stolz breitete sich in ihm aus.

Von diesem Tag an war Stego stolz auf seine Platten. An heißen Tagen stellte er sich in den Wind und kühlte sich, und die anderen Dinos beneideten ihn sogar ein bisschen. „Zeig uns noch mal, wie deine Platten in der Sonne schimmern!“, baten die jungen Dinos, und Stego drehte sich stolz im Sonnenlicht, dass seine Platten leuchteten.

Stego hatte gelernt, dass das, was ihn anders machte, gar kein Makel war, sondern etwas Besonderes. „Jeder ist auf seine Art einzigartig“, sagte er. „Und meine Platten gehören zu mir.“ Nie wieder wünschte er sich einen glatten Rücken.

Am Abend, als die Sonne hinter den Urzeitfarnen unterging, legte sich Stego zufrieden ins weiche Moos. „Ich mag meine Platten jetzt“, dachte er stolz und gähnte. Die ersten Sterne erschienen am Urzeithimmel, ein warmer Wind strich durch die Farne, und glücklich mit sich selbst schlief der kleine Stegosaurus Stego ein. Schlaf gut, Stego. Gute Nacht.