Am Ufer eines klaren Flusses lebte eine Otterfamilie, und der jüngste war der kleine Otter Oskar. Oskar liebte es, im seichten Wasser am Ufer zu planschen. Doch wenn die anderen Otter elegant abtauchten und unter Wasser nach Muscheln suchten, blieb Oskar lieber oben. „Da unten ist alles so dunkel und tief“, sagte er.
„Komm, Oskar, tauch mit uns!“, riefen seine Geschwister und verschwanden mit einem Platsch unter der glitzernden Oberfläche. Doch Oskar schüttelte den Kopf. „Was, wenn ich nicht mehr hochkomme?“, dachte er ängstlich und paddelte nur an der Oberfläche herum. Heimlich wünschte er sich, er wäre so mutig wie die anderen.
Seine Mama tauchte neben ihm auf, eine glänzende Muschel in der Pfote. „Was ist los, mein Kleiner?“, fragte sie sanft. „Ich möchte so gern tauchen“, gestand Oskar, „aber ich traue mich nicht.“ Mama lächelte. „Das verstehe ich. Wir machen es ganz langsam. Erst stecken wir nur die Nase unter Wasser, ja? Ich bin direkt bei dir.“
Oskar holte tief Luft und tauchte vorsichtig die Nase ein. Das Wasser war kühl und klar. Gar nicht schlimm. „Und jetzt die Augen“, sagte Mama. Oskar öffnete unter Wasser die Augen – und staunte. Unter der Oberfläche glitzerte alles in sanftem Blau und Grün, kleine Fische huschten vorbei, und der Sand funkelte wie Gold.
„Oh!“, machte Oskar, als er wieder auftauchte. „Da unten ist es ja wunderschön!“ Mama nickte. „Und jetzt tauchen wir ein kleines Stück zusammen. Ich halte deine Pfote.“ Pfote in Pfote glitten sie unter Wasser, vorbei an wiegenden Wasserpflanzen und schimmernden Steinen. Oskar paddelte mit, und es fühlte sich herrlich an.
Schon bald merkte Oskar, dass das Auftauchen ganz leicht war – ein kleiner Stoß mit den Pfoten, und schon war er wieder oben in der Luft. Seine Angst verschwand mit jedem Tauchgang ein bisschen mehr. „Ich kann tauchen!“, jubelte er und holte selbst eine glänzende Muschel vom Grund.
Den ganzen Nachmittag tauchte Oskar mit seinen Geschwistern um die Wette, erkundete die glitzernde Unterwasserwelt und sammelte die schönsten Muscheln. „Du bist so mutig geworden“, lobte Mama stolz. Oskar strahlte. „Ich musste mich nur ganz langsam herantrauen“, sagte er.
Am Abend, müde vom vielen Tauchen, kuschelte sich Oskar in das weiche Nest aus Gras und Schilf, eng an seine Familie. „Unter Wasser ist es wunderschön“, dachte er glücklich, „und ich habe gar keine Angst mehr.“ Sanft vom Plätschern des Flusses begleitet, schlief der kleine Otter zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Oskar.
