schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Der kleine Mond lernt leuchten

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
Schrift

Hoch am Himmel wurde ein neuer, kleiner Mond geboren. Er war noch ganz blass und unsicher. Eines Abends sollte er zum ersten Mal über der Welt leuchten, so wie die großen Monde es seit jeher taten. Doch der kleine Mond hatte Angst. „Was, wenn mein Licht nicht hell genug ist?“, sorgte er sich. „Was, wenn ich es nicht kann?“

Und so blieb der kleine Mond blass und dunkel und versteckte sich hinter den Wolken. Unten auf der Erde wurde es ganz finster, denn ohne Mondlicht war die Nacht tiefschwarz. Die Nachttiere tappten im Dunkeln, und die Kinder fürchteten sich. „Wo ist nur der Mond?“, fragten sie. Doch der kleine Mond traute sich nicht hervor.

Die Sterne bemerkten den ängstlichen kleinen Mond hinter den Wolken. „Warum leuchtest du nicht, kleiner Mond?“, fragten sie. „Ich habe Angst, dass mein Licht zu schwach ist“, gestand er. „Und dass alle enttäuscht sind.“ Die Sterne funkelten ihm aufmunternd zu. „Hab keine Angst. Jeder Mond muss das Leuchten erst lernen. Wir helfen dir.“

„Komm hinter der Wolke hervor“, sagten die Sterne sanft. „Und versuch einfach, dein Licht ganz langsam anzumachen. Du musst nicht gleich hell strahlen – fang ganz sacht an.“ Der kleine Mond zögerte. Doch dann holte er all seinen Mut zusammen, schob die Wolke beiseite und versuchte, sein Licht leuchten zu lassen.

Zuerst glomm nur ein ganz schwaches Licht. Doch die Sterne jubelten: „Sehr gut! Weiter so!“ Ermutigt ließ der kleine Mond sein Licht ein bisschen heller werden. Und noch ein bisschen. Und siehe da – nach und nach begann er, in einem sanften, silbernen Licht zu leuchten, ganz von allein. „Ich leuchte!“, rief er staunend.

Sein warmes, silbernes Licht fiel sanft über die ganze Welt. Unten auf der Erde wurde es hell und friedlich. Die Nachttiere fanden ihren Weg, und die Kinder lächelten erleichtert. „Schau, der Mond ist da!“, riefen sie. „Wie schön er leuchtet!“ Der kleine Mond strahlte vor Stolz und Freude.

„Siehst du?“, funkelten die Sterne. „Dein Licht ist genau richtig – sanft und warm und wunderschön. Du musstest dich nur trauen.“ Der kleine Mond war so glücklich. Er hatte seine Angst überwunden und sein eigenes Leuchten gefunden. Von da an leuchtete er jede Nacht mutig und freundlich über der schlafenden Welt.

Als der Morgen nahte, leuchtete der kleine Mond zufrieden und müde. „Ich kann leuchten“, dachte er stolz, „und ich brauche keine Angst mehr zu haben.“ Sanft verblasste sein Licht, als die Sonne aufging, und der kleine Mond schloss glücklich die Augen. Schlaf gut, kleiner Mond.