Tief im Wald, unter einem moosigen Stein, wohnte ein kleiner Kobold namens Knuti. Knuti hatte gehört, dass am Ende eines jeden Regenbogens ein Topf voll Gold versteckt sei. „Wenn ich den finde“, träumte er, „bin ich der reichste Kobold der Welt!“ Und so wartete er sehnsüchtig auf den nächsten Regenbogen.
Nach einem warmen Sommerregen war es endlich so weit: Ein wunderschöner Regenbogen spannte sich über den ganzen Wald, in leuchtendem Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. „Da ist er!“, rief Knuti aufgeregt und rannte los, dem Ende des Regenbogens entgegen, um den Goldschatz zu finden.
Knuti lief und lief, über Wiesen, durch Bäche, einen Hügel hinauf. Doch so sehr er sich auch beeilte – der Regenbogen schien immer ein Stück weiterzuwandern. Unterwegs aber sah Knuti viele wunderschöne Dinge: glitzernde Tautropfen auf den Blättern, eine Wiese voller bunter Blumen, einen Wasserfall, der in der Sonne funkelte.
Endlich, nach einer langen Wanderung, erreichte Knuti die Stelle, wo der Regenbogen den Boden zu berühren schien – eine kleine, sonnige Lichtung. Aufgeregt suchte er überall nach dem Topf voll Gold. Er grub und schaute und suchte. Doch er fand kein Gold. „Kein Schatz“, seufzte Knuti enttäuscht und ließ sich ins weiche Gras fallen.
Während Knuti so dalag und verschnaufte, schaute er sich um. Die kleine Lichtung war wunderschön: Der Regenbogen tauchte alles in sanftes, buntes Licht, Schmetterlinge tanzten über den Blumen, und ein kleiner Bach plätscherte fröhlich. Vögel sangen, und die warme Sonne kitzelte seine Nase. „Hier ist es ja zauberhaft“, staunte Knuti.
Da kam eine alte, weise Eule vorbeigeflogen und setzte sich neben ihn. „Hast du gefunden, was du gesucht hast, kleiner Kobold?“, fragte sie. „Nein“, sagte Knuti. „Kein Gold. Aber dafür diese wunderschöne Lichtung.“ Die Eule lächelte. „Vielleicht ist das ja der wahre Schatz am Ende des Regenbogens – all die schönen Dinge, die du auf deinem Weg gesehen hast.“
Knuti dachte über seine lange Reise nach: die glitzernden Tautropfen, die Blumenwiese, den funkelnden Wasserfall, diese zauberhafte Lichtung. „Du hast recht“, sagte er staunend. „Ich habe so viel Schönes gesehen. Das ist viel mehr wert als ein Topf voll Gold.“ Sein kleines Koboldherz wurde ganz warm und dankbar.
Am Abend machte sich Knuti glücklich auf den Heimweg, das Herz voller schöner Bilder. „Der schönste Schatz ist gar nicht das Gold“, dachte er, „sondern all das Wunderbare um uns herum.“ Zufrieden kuschelte er sich unter seinen moosigen Stein und schlief mit einem Lächeln ein. Gute Nacht, kleiner Knuti.
