Am Rand eines Gartens lebte ein kleiner Igel namens Stups. Stups hatte ein weiches Bäuchlein und einen Rücken voller spitzer Stacheln. Doch seine Stacheln mochte Stups überhaupt nicht. „Sie sind so piksig“, klagte er. „Die weichen Tiere können sich so schön kuscheln, und ich pikse jeden, der mir zu nahe kommt. Ich wünschte, ich hätte weiches Fell statt dieser Stacheln.“
Wenn Stups die flauschigen Kaninchen oder die samtweichen Mäuse sah, wurde er ganz traurig. „Mit denen will keiner kuscheln, weil ich pikse“, dachte er. Er versuchte sogar, seine Stacheln anzulegen und sich ganz weich zu machen, doch es half nichts – seine Stacheln blieben spitz. „Warum muss ausgerechnet ich so stachelig sein?“, seufzte Stups.
Eines Tages spielte Stups am Waldrand, als plötzlich ein großer Schatten über ihm auftauchte. Ein neugieriger Fuchs hatte ihn entdeckt und kam näher. Stups bekam große Angst. „Oh nein“, dachte er. „Was soll ich nur tun?“ Da erinnerte er sich an das, was seine Mama ihm beigebracht hatte: „Wenn Gefahr droht, roll dich ganz fest zusammen.“
Blitzschnell rollte sich Stups zu einer festen, stacheligen Kugel zusammen. Der Fuchs stupste ihn neugierig an – und zog die Schnauze sofort zurück. „Au!“, jaulte er. „Das pikst ja!“ So sehr der Fuchs auch versuchte, an Stups heranzukommen, die spitzen Stacheln schützten ihn von allen Seiten. Schließlich gab der Fuchs auf und trottete davon.
Vorsichtig rollte sich Stups wieder auf und schaute sich um. Der Fuchs war weg. „Meine Stacheln“, sagte Stups staunend. „Meine Stacheln haben mich beschützt!“ Da kam die weise alte Igeldame vorbei, die alles gesehen hatte. „Siehst du, kleiner Stups“, sagte sie lächelnd. „Deine Stacheln sind kein Makel. Sie sind dein ganz besonderer Schutz.“
„Wirklich?“, fragte Stups und betrachtete seine Stacheln mit ganz neuen Augen. „Wirklich“, sagte die alte Igeldame. „Kein anderes Tier kann sich so gut schützen wie wir Igel. Wenn Gefahr droht, rollen wir uns ein, und unsere Stacheln halten alles ab. Deine Stacheln sind ein wunderbares Geschenk. Ohne sie wärst du in Gefahr gewesen.“
Stups war ganz stolz. Seine Stacheln, vor denen er sich so geschämt hatte, hatten ihm gerade das Leben gerettet. „Und kuscheln“, fügte die alte Igeldame hinzu, „das geht trotzdem. Mit dem weichen Bäuchlein voran, ganz vorsichtig. Du musst nur den richtigen Freund finden, der weiß, wie es geht.“ Stups lächelte erleichtert.
Und tatsächlich fand Stups bald einen Freund, einen anderen kleinen Igel, mit dem er sich Bauch an Bauch kuscheln konnte, ganz ohne sich zu pieksen. Von da an war Stups stolz auf seine Stacheln. „Sie schützen mich“, sagte er, „und sie machen mich zu dem, was ich bin: einem echten Igel.“ Nie wieder wünschte er sich weiches Fell.
Am Abend, müde von dem aufregenden Tag, rollte sich Stups gemütlich in seinem Nest aus Laub zusammen. „Ich mag meine Stacheln jetzt“, dachte er stolz und zufrieden. Die Sterne funkelten über dem Garten, ein milder Wind raschelte im Laub, und glücklich mit sich selbst schlief der kleine Igel Stups ein. Schlaf gut, Stups. Gute Nacht.
