Am Rand einer großen Wiese wohnte ein kleiner brauner Hase namens Flecki. An einem trüben Morgen schaute Flecki aus seinem Bau und seufzte. „Alles sieht heute so grau aus“, sagte er. „Der Himmel ist grau, der Nebel ist grau, und ich bin auch nur braun. Wo sind nur all die schönen Farben?“
Flecki beschloss, die Farben zu suchen. „Irgendwo müssen sie doch sein“, dachte er und hoppelte los. „Ich finde die Farben und bringe sie zurück in meine graue Welt.“ Voller Hoffnung machte er sich auf den Weg über die nebelige Wiese.
Zuerst traf Flecki eine Biene. „Liebe Biene, weißt du, wo die Farben sind?“, fragte er. Die Biene summte und führte ihn zu einem Beet voller Blumen. Und tatsächlich – als der Nebel sich lichtete, leuchteten die Blüten in Rot, Gelb und Violett. „Das Rot der Mohnblume, das Gelb der Butterblume!“, staunte Flecki. „Hier sind ja Farben!“
Flecki hoppelte weiter und traf einen Vogel. „Weißt du, wo noch mehr Farben sind?“, fragte er. Der Vogel zwitscherte und flog mit ihm zu einem Bach. Im klaren Wasser spiegelte sich der Himmel, der nun blau geworden war, und am Ufer wuchs sattes grünes Gras. „Das Blau des Himmels, das Grün des Grases!“, jubelte Flecki.
Je weiter Flecki suchte, desto mehr Farben entdeckte er: das Orange eines Schmetterlings, das Pink einer wilden Rose, das glänzende Braun der Kastanien. „Die Welt ist ja voller Farben!“, rief er begeistert. „Ich hatte sie nur nicht gesehen, weil ich nur auf das Graue geschaut habe.“
Am schönsten aber wurde es am Abend. Als die Sonne unterging, malte sie den ganzen Himmel in leuchtendem Orange, Rosa und Gold. Flecki saß auf einem Hügel und schaute staunend zu. „So viele Farben auf einmal“, flüsterte er ergriffen. „Und das alles war die ganze Zeit da.“
Da verstand Flecki: Die Farben waren nie verschwunden gewesen. Er hatte nur lernen müssen, genau hinzuschauen und sich an ihnen zu freuen. „Sogar mein braunes Fell“, sagte er und betrachtete sich, „ist eine schöne Farbe – warm wie die Erde.“ Sein Herz wurde ganz dankbar und froh.
Am Abend hoppelte Flecki zufrieden in seinen Bau zurück, den Kopf voller bunter Bilder. „Die Welt ist wunderschön und voller Farben“, dachte er glücklich, „man muss sie nur sehen.“ Während draußen der farbenfrohe Abendhimmel verblasste, kuschelte sich der kleine Hase ein und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Flecki.
