Hoch in den schneebedeckten Eisbergen lebte ein kleiner Frostdrache namens Frosti. Anders als die Feuerdrachen, die warme Flammen spuckten, hatte Frosti einen eisigen Atem. Wo immer er hinhauchte, gefror alles zu glitzerndem Eis. Das machte Frosti sehr einsam, denn alle Tiere froren in seiner Nähe und liefen davon.
„Niemand möchte bei mir sein“, seufzte Frosti traurig und hauchte eine kleine Eisblume in die Luft. „Ich mache nur alles kalt. Wäre ich doch ein warmer Feuerdrache, dann hätte ich bestimmt Freunde.“ Allein saß er auf seinem Eisberg und schaute hinunter ins Tal, wo die anderen Tiere fröhlich beisammen waren.
Eines Tages traf Frosti einen freundlichen kleinen Pinguin namens Pip. Zu Frostis Überraschung lief Pip nicht weg. „Hallo!“, rief Pip fröhlich. „Frierst du denn nicht?“, fragte Frosti erstaunt. „Ich?“, lachte Pip. „Ich liebe die Kälte! Ich bin ein Pinguin, ich fühle mich im Eis pudelwohl.“ Frosti konnte es kaum glauben – endlich jemand, der nicht vor ihm floh.
Pip und Frosti wurden Freunde. Doch Frosti war immer noch traurig. „Mein eisiger Atem ist trotzdem zu nichts gut“, sagte er. „Ich kann nur Dinge gefrieren lassen.“ Pip dachte nach. „Das stimmt doch gar nicht“, sagte er dann. „Komm mit, ich zeige dir, wie nützlich dein Atem sein kann.“
Pip führte Frosti zu einem reißenden, gefährlichen Fluss, den die kleinen Tiere nicht überqueren konnten, um zu ihren Futterplätzen zu gelangen. „Hauch doch mal über den Fluss“, schlug Pip vor. Frosti atmete tief ein und blies seinen eisigen Atem über das Wasser. Und – schwupp! – gefror der Fluss zu einer glatten, festen Eisbrücke.
„Schau!“, jubelte Pip. „Jetzt können alle sicher hinübergehen!“ Und tatsächlich: Vorsichtig wagten sich die kleinen Tiere auf die Eisbrücke und gelangten sicher ans andere Ufer. „Danke, Frosti!“, riefen sie. Frosti staunte. Sein eisiger Atem, den er für nutzlos gehalten hatte, hatte allen geholfen.
Von da an war Frosti ein gefragter Helfer. Er baute Eisbrücken über gefährliche Flüsse, zauberte glitzernde Rutschbahnen für die Kinder und kühlte im Sommer das Wasser für durstige Tiere. Alle mochten ihn nun, und Frosti war nicht mehr einsam. „Mein Atem ist gar nicht schlecht“, sagte er glücklich. „Er ist einfach besonders.“
Am Abend saßen Frosti und sein bester Freund Pip zufrieden auf dem Eisberg und schauten den funkelnden Sternen zu, die sich im Eis spiegelten. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte Frosti dankbar. Eng an Pip gekuschelt, schloss er die Augen und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Frosti.
