Auf einer grünen Wiese am Bauernhof lebte ein kleiner Esel namens Emil. Emil liebte Musik über alles. Den ganzen Tag hörte er den Vögeln zu, die so schön zwitscherten, und den Grillen, die so fein zirpten. „Ach“, seufzte Emil, „ich wünschte, ich könnte auch so schön singen.“
Doch wenn Emil den Mund aufmachte, kam nur ein lautes, raues „I-Aaah!“ heraus. Die anderen Tiere hielten sich die Ohren zu. „So ein Krach!“, lachte die Henne. „Du kannst einfach nicht singen, Emil.“ Beschämt senkte Emil den Kopf. „Meine Stimme ist viel zu laut und hässlich“, dachte er traurig und beschloss, lieber gar nichts mehr zu sagen.
Von da an schwieg Emil. Wenn die Vögel sangen, hörte er nur still zu und traute sich nicht mehr, mitzumachen. „Ich bin eben kein Sänger“, dachte er betrübt und graste einsam am Rand der Wiese. Sein lautes I-Aah behielt er ganz für sich.
Eines Abends zog ein Gewitter auf, und in der Dunkelheit schlich sich ein Fuchs zum Hühnerstall. Die Hühner schliefen ahnungslos, und keiner bemerkte die Gefahr. Keiner – außer Emil, der mit seinen großen Eselsohren das Schleichen hörte und mit seinen guten Augen den Fuchs erspähte.
„Ich muss alle warnen!“, dachte Emil. Doch wie? Da fiel es ihm ein: seine laute Stimme! Emil holte tief Luft und stieß ein gewaltiges „I-AAAH! I-AAAH!“ aus, so laut, dass es über den ganzen Bauernhof schallte. Der Bauer wachte auf, machte Licht, und der erschrockene Fuchs ergriff die Flucht.
„Emil hat uns gerettet!“, gackerten die Hühner erleichtert. „Seine laute Stimme hat den Fuchs verjagt und uns alle geweckt!“ Der Bauer streichelte Emil dankbar. „Was für ein wachsamer, mutiger Esel. Deine kräftige Stimme ist ein wahrer Schatz.“ Emil konnte es kaum glauben.
Auf einmal sah Emil seine Stimme mit ganz anderen Augen. Sie war vielleicht nicht fein wie ein Vogellied – aber sie war laut, kräftig und nützlich, und heute hatte sie alle beschützt. „Meine Stimme ist gar nicht hässlich“, sagte Emil stolz. „Sie ist einfach besonders.“ Und er stieß ein fröhliches I-Aah aus.
Von da an sang Emil wieder, laut und froh, und niemand lachte mehr über ihn. Am Abend kuschelte er sich zufrieden ins warme Stroh. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte er glücklich und gähnte herzhaft. Dann schlief der kleine Esel zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Emil.
