Hoch oben in den Drachenbergen lebte ein kleiner Drache namens Funki. Alle jungen Drachen lernten, Feuer zu spucken – große, heiße Flammen, auf die sie sehr stolz waren. Nur Funki schaffte es nicht. So sehr er sich auch anstrengte und pustete, es kamen keine Flammen heraus, sondern nur kleine, weiche Rauchwölkchen. „Warum kann ich kein Feuer spucken?“, seufzte Funki traurig.
Die anderen jungen Drachen spuckten beeindruckende Flammen und lachten über Funkis Rauchwölkchen. „Du bist ja gar kein richtiger Drache“, neckten sie. „Du kannst nur pusten wie ein nasser Kamin!“ Funki schämte sich furchtbar und zog sich beschämt in seine Höhle zurück. „Vielleicht“, dachte er traurig, „bin ich einfach kein richtiger Drache.“
Funkis Mama fand ihn bekümmert in der Höhle. „Was ist los, mein Schatz?“, fragte sie. „Ich kann kein Feuer spucken“, klagte Funki. „Nur dumme Rauchwölkchen. Alle lachen über mich.“ Mama Drache setzte sich zu ihm und lächelte geheimnisvoll. „Weißt du, Funki“, sagte sie, „deine Rauchwölkchen sind etwas ganz Besonderes. Komm mit, ich zeige dir, was du damit alles kannst.“
Sie führte Funki zu einer Wiese, auf der gerade ein paar Drachenkinder spielten, als plötzlich ein heftiger Regen aufzog. „Spuck einmal deine Rauchwölkchen in den Himmel“, sagte Mama. Funki pustete, und seine weichen, warmen Wölkchen stiegen empor – und zauberten einen wunderschönen, schimmernden Regenbogen in den regnerischen Himmel. „Oh!“, riefen alle. „Wie schön!“
„Siehst du, Funki?“, sagte Mama. „Deine warmen Rauchwölkchen können etwas, das kein Feuerdrache kann: Sie zaubern Regenbögen, sie wärmen sanft, ohne etwas zu verbrennen, und sie sehen wunderschön aus. Mit Feuer würdest du alles versengen. Aber mit deinen Wölkchen kannst du Schönes erschaffen.“ Funki staunte über seine eigene Gabe.
Und tatsächlich – Funkis Rauchwölkchen erwiesen sich als wunderbar. An kalten Tagen wärmte er mit seinen weichen, warmen Wölkchen die kleinen Drachenkinder, ganz ohne sie zu verbrennen. Bei Festen zauberte er bunte Wolkenbilder und Regenbögen in den Himmel, über die alle staunten. Bald wollten alle Drachen Funkis Wölkchen sehen.
„Mach noch einen Regenbogen, Funki!“, riefen nun sogar die Drachen, die ihn vorher ausgelacht hatten. „Deine Wölkchen sind ja wunderschön!“ Funki lächelte stolz und pustete ein ganzes Wolkenbild in den Himmel. Er schämte sich nicht mehr. Im Gegenteil – er war stolz auf seine ganz besondere Gabe.
„Ich kann zwar kein Feuer spucken“, sagte Funki, „aber ich kann etwas viel Schöneres: Ich kann Regenbögen und warme Wolken zaubern. Und das ist genau richtig für mich.“ Er hatte gelernt, dass es nicht darauf ankam, dasselbe zu können wie alle anderen, sondern darauf, seine eigene Gabe zu schätzen.
Am Abend, müde von all den schönen Wolkenbildern, kuschelte sich Funki zufrieden in seine warme Höhle und pustete ein letztes, sanftes Rauchwölkchen, das über ihm schwebte wie ein weiches Kissen. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte er glücklich. Die Sterne funkelten über den Drachenbergen, ein milder Wind strich durch die Felsen, und stolz auf seine besondere Gabe schlief der kleine Drache Funki zufrieden ein. Schlaf gut, Funki. Gute Nacht.
