Im grünen Urzeittal, zwischen hohen Farnen und dampfenden Vulkanen, lebte ein kleiner Dinosaurier namens Dexter. Eines Morgens, als Dexter durch den Wald stapfte, entdeckte er etwas Erstaunliches: ein großes, geflecktes Ei, das ganz allein und verlassen in einem Nest aus Blättern lag. „Wo ist denn deine Mama?“, fragte Dexter verwundert.
Dexter wartete und wartete, doch niemand kam, um sich um das Ei zu kümmern. „Das arme Ei“, dachte er. „Ganz allein hier draußen. Wenn es kalt wird, kann das kleine Dino-Baby darin nicht schlüpfen.“ Dexter beschloss: „Dann kümmere ich mich eben um dich.“ Vorsichtig setzte er sich neben das Ei, um es warmzuhalten.
Tag und Nacht blieb Dexter bei dem Ei. Er deckte es mit warmen Blättern zu, schützte es vor dem Regen und drehte es behutsam, damit es von allen Seiten gleich warm wurde. Es war gar nicht leicht und brauchte viel Geduld. Manchmal wurde Dexter müde. „Ob da überhaupt jemand schlüpft?“, fragte er sich. Doch er gab nicht auf.
Eines Nachts zog ein Gewitter auf. Der Wind heulte, und kalter Regen prasselte herab. Das Ei drohte auszukühlen. Dexter zögerte nicht: Er legte sich schützend um das Ei und wärmte es mit seinem ganzen Körper, die ganze stürmische Nacht hindurch. „Keine Sorge“, flüsterte er. „Ich pass auf dich auf.“
Am nächsten Morgen, als die Sonne wieder hervorkam, spürte Dexter plötzlich ein leises Klopfen. Toc, toc. Das Ei wackelte! Ein kleiner Riss erschien, dann noch einer. Dexter hielt gespannt den Atem an. Und dann – knack! – brach die Schale auf, und ein winziges, niedliches Dino-Baby streckte den Kopf heraus.
Das kleine Dino-Baby blinzelte Dexter mit großen Augen an und piepste fröhlich. Dann watschelte es direkt zu ihm und kuschelte sich vertrauensvoll an seine Seite. „Es hält mich für seine Familie“, lachte Dexter gerührt. Sein Herz wurde ganz warm. All die Geduld und Mühe hatten sich gelohnt.
Von da an waren Dexter und das kleine Dino-Baby unzertrennlich. Dexter brachte ihm bei, wie man die saftigsten Farne findet, wie man im Fluss planscht und wie man die schönsten Plätze im Tal entdeckt. Aus dem verlassenen Ei war ein fröhlicher kleiner Freund geworden, und Dexter war der stolzeste große Bruder im ganzen Urzeittal.
Am Abend, als die Sterne über dem Tal aufgingen, kuschelten sich die beiden eng aneinander ins warme Moos. Das kleine Dino-Baby gähnte und schlief sofort an Dexters Seite ein. Dexter lächelte zufrieden. „Mit Geduld und einem guten Herzen“, dachte er, „habe ich einen Freund fürs Leben gewonnen.“ Dann schlief auch er glücklich ein. Schlaf gut, kleiner Dexter.
