Im weiten Urzeittal, zwischen hohen Farnen und dampfenden Sümpfen, lebte ein kleiner Dino namens Dado. Alle Dinos im Tal liebten es, laut zu brüllen. Sie reckten die Hälse und stießen mächtige Rufe aus, die durch das ganze Tal hallten: „ROAAAR!“ So zeigten sie, wie stark sie waren.
Nur Dado mochte das Brüllen nicht. Wenn er es versuchte, klang es eher wie ein leises „Röö“, und davon wurde ihm ganz unwohl. Viel lieber summte er sanfte Melodien oder sprach mit leiser, freundlicher Stimme. „Warum brüllst du nicht richtig?“, lachten die anderen Dinokinder. „Ein echter Dino muss brüllen können!“
Dado wurde traurig. „Vielleicht bin ich gar kein richtiger Dino“, dachte er und zog sich allein an den Rand des Tales zurück. Dort setzte er sich unter einen großen Farn und summte leise vor sich hin, eine sanfte, schöne Melodie, die in der Abendluft schwebte.
Was Dado nicht wusste: In den Büschen ganz in der Nähe saß ein winziges Dinobaby, das sich verlaufen hatte. Es hatte solche Angst vor den lauten Brülllauten der anderen, dass es sich nicht mehr hervortraute. Doch Dados leises, sanftes Summen lockte es behutsam aus seinem Versteck.
Vorsichtig tapste das kleine Dinobaby zu Dado. „Deine Melodie ist so schön“, piepste es. „Sie macht mir gar keine Angst.“ Dado lächelte und summte weiter, und das Dinobaby kuschelte sich vertrauensvoll an ihn. Bald war es ganz ruhig und fühlte sich sicher.
Da kamen die Eltern des Dinobabys aufgeregt angerannt. Sie hatten überall gesucht. „Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“, riefen sie. „Wie hast du es nur gefunden?“ Dado wurde verlegen. „Ich habe gar nicht gesucht“, sagte er. „Ich habe nur gesummt. Und da ist es zu mir gekommen.“
Die anderen Dinos staunten. Mit ihrem lauten Brüllen hätten sie das ängstliche Baby nie hervorgelockt – im Gegenteil. „Deine leise Stimme hat geschafft, was unser lautes Brüllen nicht konnte“, sagte der größte Dino anerkennend. „Das ist eine ganz besondere Gabe.“
Von da an war Dado stolz auf seine sanfte Stimme. Wann immer ein Dinokind nicht einschlafen konnte oder sich fürchtete, kam es zu Dado, und er summte ihm seine schönen Melodien vor. Er musste nicht laut sein, um wichtig zu sein. Er war genau richtig, so wie er war.
An diesem Abend lag Dado zufrieden unter seinem Lieblingsfarn. Über dem Urzeittal gingen die Sterne auf, und Dado summte sich seine eigene, leise Melodie zum Einschlafen. „Manche sind laut, und manche sind leise“, dachte er glücklich, „und beides ist gut.“ Dann schloss er die Augen und schlief sanft ein. Schlaf gut, kleiner Dado.
