Im bunten Herbstwald raschelte das Laub, und alle Igel suchten sich gemütliche Plätze für den langen Winterschlaf. Nur der kleine Igel Iko wollte davon nichts wissen. „Den ganzen Winter verschlafen? Auf keinen Fall!“, sagte er. „Ich will lieber etwas erleben.“
„Aber Iko“, sagte seine Mama, „der Winter ist kalt, und es gibt dann fast nichts mehr zu essen. Der Winterschlaf hält uns warm und sicher, bis der Frühling kommt.“ Iko schüttelte trotzig die Stacheln. „Pah, ich bin doch nicht müde. Ich bleibe wach und schaue mir den Winter an.“
Und so kuschelten sich alle anderen Igel in ihre warmen Laubnester, während Iko allein durch den Wald stapfte. Anfangs war es noch spannend. Doch dann fielen die ersten Schneeflocken, und es wurde bitterkalt. Iko begann zu zittern. „Brrr“, machte er, „so kalt hatte ich es mir nicht vorgestellt.“
Er suchte nach etwas zu essen, doch unter dem Schnee fand er keine Käfer und keine Würmer mehr. Sein Bäuchlein knurrte. Müde und hungrig stapfte er durch den tiefen Schnee, und seine kleinen Beine wurden immer schwerer. „Vielleicht“, dachte er kläglich, „war das doch keine so gute Idee.“
Zitternd und erschöpft kroch Iko zu einem alten Laubhaufen. „Ich bin so müde“, gähnte er. „Und so kalt.“ Da hörte er eine sanfte Stimme. Es war die weise alte Eule. „Na, kleiner Iko“, sagte sie freundlich. „Jetzt verstehst du wohl, warum die Igel Winterschlaf halten?“
Iko nickte beschämt. „Ich dachte, ich würde etwas verpassen“, sagte er leise. „Aber jetzt bin ich nur müde, hungrig und durchgefroren.“ Die Eule lächelte. „Der Winterschlaf ist kein Verpassen, kleiner Iko. Er ist ein Geschenk. Er hält dich warm und gesund, bis der Frühling all die schönen Dinge zurückbringt.“
Iko verstand. Er kroch tief in den weichen, trockenen Laubhaufen, der ihn sofort wärmte. Seine Stacheln entspannten sich, und eine wohlige Müdigkeit breitete sich in ihm aus. „Das fühlt sich gut an“, murmelte er. „Warm und gemütlich.“ Zum ersten Mal freute er sich auf den Schlaf.
„Schlaf nur, kleiner Iko“, flüsterte die Eule. „Und wenn du aufwachst, wartet der Frühling mit Sonne, Blumen und vielen Käfern auf dich.“ Iko gähnte herzhaft und rollte sich zu einer warmen Kugel zusammen. „Bis zum Frühling“, murmelte er glücklich und schlief endlich tief und zufrieden ein. Schlaf gut, kleiner Iko.
