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Der Hirsch und das dankbare Täubchen

Dankbarkeit · Freundschaftab 5 4 Min.
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In einem freundlichen Mischwald lebte ein junger Hirsch namens Elio. Er hatte ein gutes Herz und half gern, wo er konnte. An einem heißen Sommertag, als Elio zum Bach hinunterging, um zu trinken, hörte er ein schwaches Flattern und Piepsen aus dem Schilf am Ufer. Neugierig schaute er nach.

Im Schilf entdeckte er ein kleines Täubchen, das ins flache Wasser gefallen war und seine nassen Flügel nicht mehr heben konnte. „Hilfe“, piepste es matt. „Ich kann nicht mehr.“ Elio zögerte keinen Augenblick. Vorsichtig senkte er seinen Kopf, schob seine warme Schnauze unter das durchnässte Täubchen und hob es behutsam aus dem Wasser ans trockene Ufer.

„Da, jetzt bist du in Sicherheit“, sagte Elio sanft. Das Täubchen zitterte und plusterte seine nassen Federn. Elio legte sich neben das Kleine, sodass die warme Sonne und sein eigener Atem die Federn trockneten. Nach einer Weile hörte das Zittern auf, und das Täubchen konnte seine Flügel wieder bewegen.

„Du hast mir das Leben gerettet“, sagte das Täubchen dankbar. „Das werde ich dir nie vergessen. Wenn du jemals Hilfe brauchst, dann rufe nach mir, und ich komme.“ Elio lächelte freundlich. „Ach, das war doch selbstverständlich“, sagte er bescheiden. „Flieg nur und werde wieder ganz gesund.“ Das Täubchen erhob sich in die Luft und flatterte glücklich davon.

Einige Wochen vergingen. Eines Tages graste Elio sorglos am Waldrand, als er plötzlich ein leises Klicken hörte und etwas sich um sein Bein legte. Ein Jäger hatte eine Schlinge im Gras versteckt, und nun saß Elio fest. So sehr er auch zog, er kam nicht frei. „Oh nein“, dachte er voller Sorge. „Wie soll ich mich nur befreien?“

Da fiel ihm das Täubchen ein. „Täubchen!“, rief Elio so laut er konnte. „Täubchen, ich brauche deine Hilfe!“ Und tatsächlich – nur einen Augenblick später kam das kleine Täubchen herbeigeflattert. „Ich habe dich rufen hören“, sagte es. „Was ist geschehen?“ Elio zeigte ihm die Schlinge um sein Bein.

Das Täubchen zögerte nicht. Mit seinem kleinen, geschickten Schnabel begann es, an dem Knoten der Schlinge zu picken und zu zupfen. Faden um Faden löste es, immer fleißiger, immer schneller. „Halt still“, piepste es, „gleich hast du es geschafft.“ Und nach einer Weile – plopp! – sprang die Schlinge auf, und Elios Bein war frei.

„Du hast mich gerettet!“, rief Elio überglücklich und sprang vor Freude in die Luft. „So klein du bist – du hast mir aus der größten Not geholfen.“ Das Täubchen setzte sich stolz auf seinen Kopf. „Du hast einst mir geholfen“, sagte es. „Jetzt durfte ich dir helfen. So gehört sich das unter Freunden.“

Von diesem Tag an waren der große Hirsch und das kleine Täubchen die besten Freunde. Am Abend, als die Sonne hinter den Bäumen versank, legte sich Elio ins weiche Gras, und das Täubchen kuschelte sich in sein warmes Fell. „Danke, kleiner Freund“, murmelte Elio verschlafen. Die Sterne kamen heraus, der Wald wurde still, und friedlich und dankbar schlief der Hirsch Elio ein. Schlaf gut, Elio. Gute Nacht.