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Der Herbstwind und das letzte Blatt

Gefühle (Wut/Angst) · Dankbarkeitab 3 3 Min.
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Hoch oben an einem großen Ahornbaum hing ein kleines Blatt namens Bibo. Der Herbst war gekommen, und nach und nach hatten sich alle anderen Blätter bunt gefärbt und waren sanft zu Boden gesegelt. Nur Bibo hielt sich noch fest an seinem Ast. Er war das allerletzte Blatt am ganzen Baum.

„Ich will nicht fallen“, sagte Bibo ängstlich und klammerte sich mit aller Kraft an den Zweig. „Hier oben kenne ich mich aus. Da unten ist alles fremd und ungewiss. Was, wenn das Fallen schlimm ist?“ Der Wind strich sanft an ihm vorbei, doch Bibo hielt sich nur noch fester.

Der freundliche Herbstwind bemerkte das zitternde Blatt. „Warum hältst du dich so fest, kleines Bibo?“, fragte er leise. „Ich habe Angst vorm Fallen“, gestand Bibo. „Alle anderen sind schon unten, aber ich traue mich nicht loszulassen.“ Der Wind lächelte sanft. „Ach, kleines Blatt. Das Fallen ist gar nichts Schlimmes. Komm, ich zeige es dir.“

„Schau hinunter“, sagte der Wind. Bibo blickte vorsichtig nach unten. Dort am Boden lag ein weicher, bunter Teppich aus all den Blättern, die vor ihm gefallen waren – in leuchtendem Rot, Orange und Gold. Kinder sprangen lachend hinein und wirbelten die Blätter fröhlich durch die Luft. „Oh“, machte Bibo. „Das sieht ja schön aus.“

„Und weißt du“, sagte der Wind, „wenn die Blätter zu Boden fallen, decken sie die Erde warm zu und schützen die kleinen Pflanzen im Winter. Im Frühling werden sie zu fruchtbarer Erde, aus der neue Blätter und Blumen wachsen. Dein Fallen ist kein Ende – es ist der Anfang von etwas Neuem.“

Bibo dachte darüber nach. Das Loslassen klang gar nicht mehr so beängstigend. „Ich verspreche dir“, sagte der Wind sanft, „ich trage dich ganz behutsam hinunter. Du musst dich nur trauen loszulassen.“ Bibo holte tief Luft. „Na gut“, flüsterte er mutig. „Ich vertraue dir.“ Und langsam ließ er seinen Ast los.

Der Wind fing Bibo sanft auf und trug ihn in weiten, eleganten Kreisen durch die Luft. Es war kein Stürzen – es war ein wunderschöner Tanz! Bibo wirbelte und segelte, drehte sich vergnügt und genoss jeden Augenblick. „Ich fliege ja!“, jubelte er. „Das ist herrlich!“ Sanft landete er schließlich auf dem weichen Blätterteppich.

Dort, zwischen all seinen Freunden, fühlte sich Bibo warm und geborgen. Das Loslassen war gar nicht schlimm gewesen, sondern wunderschön. Als der Abend kam und ein Kind die Blätter sacht über ihn zog, kuschelte sich Bibo zufrieden ein. „Loslassen gehört dazu“, dachte er glücklich und schlief auf dem weichen Herbstteppich ein. Schlaf gut, kleines Bibo.