Am Rand eines grünen Tals lebte ein junger Wolf namens Balu. Balu war anders als die Wölfe in den Geschichten: Er war sanft, freundlich und wünschte sich nichts sehnlicher als einen Freund. Doch sobald die anderen Tiere ihn sahen, liefen sie davon. „Ein Wolf! Lauft weg!“, riefen sie ängstlich. Das machte Balu sehr traurig. „Ich will doch nur spielen“, seufzte er.
Eines Tages saß Balu allein am Bach und schaute betrübt ins Wasser, als ein kleines Lamm namens Wolle herangehüpft kam. Als Wolle den Wolf sah, blieb es erschrocken stehen. „Oh“, sagte es zitternd. „Ein Wolf.“ Balu seufzte. „Lauf nur weg“, sagte er traurig. „Das tun alle. Dabei würde ich dir nie etwas tun. Ich bin doch ganz allein und wünsche mir nur einen Freund.“
Wolle schaute den Wolf genauer an. Balu sah gar nicht gefährlich aus – eher traurig und einsam. „Du willst mir wirklich nichts tun?“, fragte Wolle vorsichtig. „Niemals“, sagte Balu und schüttelte den Kopf. „Ich mag es nicht, anderen Angst zu machen. Ich wünsche mir nur jemanden, mit dem ich spielen und reden kann.“ Wolle überlegte. Etwas an dem sanften Wolf rührte sein Herz.
„Weißt du was?“, sagte Wolle schließlich mutig. „Ich gebe dir eine Chance. Lass uns zusammen spielen.“ Balu konnte sein Glück kaum fassen. „Wirklich? Du hast keine Angst vor mir?“ „Ein bisschen schon“, gab Wolle zu. „Aber ich glaube, du hast ein gutes Herz.“ Und so spielten der Wolf und das Lamm den ganzen Tag miteinander – sie tobten über die Wiese, sprangen über den Bach und lachten zusammen.
Balu war so glücklich wie nie. Endlich hatte er einen Freund! Und Wolle merkte, dass Balu wirklich der sanfteste, treueste Spielkamerad war, den man sich wünschen konnte. „Du bist gar nicht gruselig“, lachte Wolle. „Du bist der netteste Wolf der Welt.“ Balu strahlte vor Freude.
Doch dann kam Wolles Schafherde vorbei, und die Schafe erschraken furchtbar. „Ein Wolf! Bei unserem Lamm!“, riefen sie panisch. „Schnell, weg von ihm!“ Doch Wolle stellte sich tapfer vor Balu. „Halt!“, rief es. „Balu ist mein Freund. Er ist ganz sanft und tut niemandem etwas. Ihr müsst ihm nur eine Chance geben, so wie ich.“
Die Schafe waren misstrauisch, doch als sie sahen, wie freundlich und behutsam Balu mit dem kleinen Wolle umging, fassten auch sie langsam Vertrauen. Balu half den Schafen sogar, ein verirrtes Lämmchen wiederzufinden, und beschützte die Herde vor dem kalten Wind, indem er sich schützend davorlegte. „Du bist ja wirklich ein guter Wolf“, staunten die Schafe.
Von da an war Balu in der ganzen Herde willkommen. Er hatte nicht nur einen Freund gefunden, sondern viele. „Danke, Wolle“, sagte Balu gerührt. „Du hast mir als Erster eine Chance gegeben, obwohl alle anderen weggelaufen sind.“ Wolle stupste ihn freundlich. „Man darf eben nicht vom Aussehen auf das Herz schließen“, sagte es weise.
Am Abend, als die Sonne über dem Tal unterging, kuschelten sich der Wolf und das Lamm gemütlich aneinander. Balus warmes Fell wärmte das kleine Wolle in der kühlen Nacht. „Gute Nacht, Balu“, gähnte Wolle. „Gute Nacht, mein Freund“, flüsterte Balu glücklich. Der Mond leuchtete sanft über dem Tal, die Sterne funkelten, und zufrieden über seinen neuen Freund schlief der freundliche Wolf Balu ein. Schlaf gut, Balu. Gute Nacht.
