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Der freundliche Riese und der kleine Vogel

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Am Fuße eines großen Berges lebte ein Riese namens Gustav. Gustav war riesengroß, mit gewaltigen Händen und schweren Schritten, die den Boden erzittern ließen. Alle Menschen im Tal fürchteten ihn und liefen davon, wenn er kam. Dabei war Gustav in Wahrheit sanft und gutmütig – und sehr, sehr einsam.

„Niemand möchte bei mir sein“, seufzte Gustav und setzte sich traurig auf einen Hügel, der unter ihm wie ein kleiner Stein wirkte. „Alle haben Angst vor mir, nur weil ich so groß bin. Dabei möchte ich doch nur einen Freund.“ Eine Träne, so groß wie ein Regentropfen für die anderen, kullerte über seine Wange.

Da landete ein winziger Vogel auf Gustavs Schulter. Der kleine Vogel hatte sich im Sturm verirrt und war erschöpft. „Darf ich mich kurz bei dir ausruhen, großer Riese?“, piepste er. Gustav hielt ganz still, um den Vogel nicht zu erschrecken. „Aber natürlich, kleiner Vogel“, sagte er sanft. „Ruh dich nur aus.“

Der kleine Vogel staunte. „Du bist ja gar nicht furchterregend“, sagte er. „Du bist freundlich und sanft.“ Gustav lächelte traurig. „Das sehen die anderen nicht. Sie sehen nur, wie groß ich bin, und laufen weg.“ Der Vogel legte den Kopf schief. „Dann sind sie dumm. Ich bleibe bei dir – du bist ein guter Riese.“

Von da an waren der riesige Gustav und der winzige Vogel die besten Freunde. Der Vogel wohnte in Gustavs warmer Hand, und Gustav passte gut auf seinen kleinen Freund auf. Er baute ihm ein gemütliches Nest, schützte ihn vor Wind und Regen, und der Vogel sang Gustav die schönsten Lieder.

Eines Tages, als ein heftiges Unwetter über das Tal zog und ein Damm zu brechen drohte, sah Gustav die Gefahr von seinem Berg aus. Mit seinen gewaltigen Händen hielt er den Damm und schichtete schwere Felsen auf, bis die Dorfbewohner in Sicherheit waren. Die Menschen, die ihn immer gefürchtet hatten, schauten staunend zu.

„Der Riese hat uns gerettet!“, riefen sie. Endlich sahen sie, was der kleine Vogel von Anfang an gewusst hatte: dass hinter Gustavs Größe ein gutes, freundliches Herz schlug. „Danke, Gustav“, sagten sie und hatten keine Angst mehr. Von da an war Gustav im ganzen Tal willkommen, und er war nie wieder einsam.

Am Abend saß Gustav zufrieden auf seinem Hügel, den kleinen Vogel sicher in seiner warmen Hand, und schaute auf das friedliche Tal hinab. „Es kommt nicht darauf an, wie groß man ist“, dachte er glücklich, „sondern wie groß das Herz ist.“ Sanft, um den Vogel nicht zu wecken, legte er sich nieder und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, lieber Gustav.