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Der Elefant und die kleine Maus

Freundschaftab 3 5 Min.
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Am Rand der weiten Savanne, dort wo das Gras hoch und golden im Wind wogte, lebte ein großer, grauer Elefant namens Benno. Benno war das größte Tier weit und breit, mit Ohren wie Segel und Füßen so breit wie Baumstümpfe. Wenn er ging, bebte der Boden, und die Vögel flatterten auf. Benno war freundlich und sanft, doch er war oft allein. Die kleineren Tiere hatten ein wenig Respekt vor seiner Größe und gingen ihm lieber aus dem Weg.

Eines Morgens, als Benno gerade an einem Wasserloch trank, hörte er ein winziges, aufgeregtes Stimmchen. „Hilfe! Hilfe! Bitte, ist da jemand?“ Benno schaute sich um, sah aber niemanden. Erst als er ganz genau auf den Boden blickte, entdeckte er sie: eine winzige graue Maus, die in einer tiefen Pfütze zappelte und nicht mehr herauskam. „Oh, du Arme“, sagte Benno mit seiner tiefen, sanften Stimme. „Warte, ich helfe dir.“

Ganz vorsichtig ließ Benno seinen langen Rüssel ins Wasser gleiten. „Halt dich daran fest, kleine Maus“, sagte er behutsam. Die Maus klammerte sich mit ihren winzigen Pfötchen an den Rüssel, und Benno hob sie ganz langsam und sanft heraus und setzte sie auf einen warmen, sonnigen Stein. „Danke!“, piepste die Maus und schüttelte sich das Wasser aus dem Fell. „Ich bin Mips. Du hast mir das Leben gerettet, großer Elefant.“

„Ich bin Benno“, sagte der Elefant und lächelte. „Es war doch selbstverständlich.“ Mips schaute zu ihm hinauf, immer weiter hinauf, bis ihr fast schwindelig wurde. „Du bist ja riesig!“, staunte sie. „Und ich bin so klein. Wir sind so verschieden.“ Benno nickte ein wenig wehmütig. „Vielleicht zu verschieden, um Freunde zu sein“, sagte er leise. „Die anderen Tiere finden mich meist zu groß und tapsig.“

Doch Mips schüttelte energisch ihren winzigen Kopf. „Unsinn!“, rief sie. „Gerade weil wir verschieden sind, passen wir doch gut zusammen. Schau – du kannst Dinge, die ich nie könnte. Und ich kann Dinge, die für dich unmöglich sind. Komm, lass uns Freunde sein und es ausprobieren.“ Benno freute sich so sehr, dass er vor Freude mit den großen Ohren wackelte. Und so begann eine ganz besondere Freundschaft.

Bald merkten die beiden, wie gut sie sich ergänzten. Wenn Mips eine saftige Frucht wollte, die hoch oben im Baum hing, hob Benno sie einfach mit dem Rüssel hinauf, und Mips pflückte sie. Wenn der Weg über einen reißenden Bach führte, durfte Mips auf Bennos breitem Kopf reiten und kam trockenen Fußes hinüber. Benno wiederum hörte Mips' Geschichten so gern, denn die flinke kleine Maus kam überallhin und wusste alles, was in der Savanne geschah.

Eines Tages aber geriet Benno selbst in Not. Beim Grasen war er mit seinem dicken Fuß in eine alte Schlingfalle getreten, die ein Jäger einst vergessen hatte. Ein dickes Seil hatte sich fest um sein Bein gelegt, und so sehr Benno auch zog – er kam nicht frei. „Oh nein“, dachte er verzweifelt. „So groß und stark ich bin, gegen dieses Seil komme ich nicht an.“ Er trompetete traurig in die Savanne hinaus.

Mips hörte den Hilferuf und flitzte sofort herbei. „Benno! Was ist passiert?“ Sie sah das dicke Seil um sein Bein und überlegte keinen Augenblick. „Halt ganz still“, piepste sie. „Für so etwas bin ich genau die Richtige.“ Und mit ihren kleinen, scharfen Zähnen begann Mips, das dicke Seil durchzunagen. Faden um Faden, ganz fleißig und unermüdlich, knabberte sie sich durch das Seil, an einer Stelle, an die Bennos großer Rüssel niemals herangekommen wäre.

Es dauerte lange, doch Mips gab nicht auf. Und schließlich – knack! – riss das letzte Stück des Seils, und Bennos Bein war frei. „Du hast mich gerettet!“, rief Benno überglücklich. „So eine winzige Maus rettet einen riesigen Elefanten!“ Mips lachte. „Siehst du?“, sagte sie. „Du hast mich aus der Pfütze gezogen, weil du so groß und stark bist. Und ich habe dich befreit, weil ich so klein und flink bin. Genau deshalb sind wir das beste Team der Savanne.“

Von diesem Tag an waren Benno und Mips unzertrennlich. Die anderen Tiere staunten über das ungleiche Paar – den gewaltigen Elefanten und die winzige Maus – und langsam lernten sie etwas Wichtiges: dass es überhaupt nicht darauf ankommt, wie groß oder klein jemand ist. Es kommt nur darauf an, ob man ein gutes Herz hat und füreinander da ist.

Am Abend, wenn die Sonne rot über der Savanne versank und der Himmel sich mit Sternen füllte, machten es sich die beiden Freunde gemütlich. Mips kuschelte sich in eine warme Falte hinter Bennos großem Ohr, wo der Wind sie nicht erreichte und es schön kuschelig war. „Gute Nacht, kleine Mips“, brummte Benno ganz leise und sanft. „Gute Nacht, großer Benno“, piepste Mips zufrieden zurück.

Und während die warme Savannennacht die beiden ungleichen Freunde umhüllte, der große Elefant und die kleine Maus dicht beieinander, schliefen sie glücklich und geborgen ein. Denn sie wussten: Egal, wie verschieden zwei sind – wahre Freundschaft findet immer einen Weg. Schlaf gut, Benno. Schlaf gut, Mips. Gute Nacht.