Im Wald hüteten die Kobolde einen besonderen Schatz: eine alte Zauberlaterne, die mit ihrem warmen Licht den ganzen Koboldplatz erhellte. Sie war der ganze Stolz der Kobolde. Eines Tages spielte der kleine Kobold Tobi übermütig Fangen und sauste dabei zu nah an der Laterne vorbei. Er stieß sie an, und – klirr! – fiel die Laterne um, und ihr Licht erlosch.
Tobi erschrak furchtbar. Die kostbare Zauberlaterne war umgefallen, und ihr Licht war aus. Er schaute sich um. Niemand hatte es gesehen. „Wenn ich jetzt schnell weglaufe“, dachte Tobi, „dann weiß keiner, dass ich es war.“ Und so huschte er rasch davon und tat den ganzen Tag so, als wäre nichts geschehen. Doch in seinem Bauch saß ein schweres, ungutes Gefühl.
Am Abend bemerkten die Kobolde, dass die Laterne nicht mehr leuchtete. „Oh nein, unsere Zauberlaterne ist aus!“, riefen sie bestürzt. „Wie konnte das nur passieren?“ Sie versammelten sich ratlos um die dunkle Laterne. Tobi stand dabei und schwieg. Sein schlechtes Gefühl wurde immer größer, je trauriger die anderen Kobolde wurden.
In dieser Nacht konnte Tobi nicht einschlafen. Das schwere Gefühl im Bauch ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. „Warum kann ich nicht schlafen?“, fragte er sich. Da wusste er die Antwort: weil er ein Geheimnis mit sich herumtrug, das ihm auf dem Herzen lastete. „Ich muss die Wahrheit sagen“, beschloss er schließlich. „Auch wenn ich Angst davor habe.“
Am nächsten Morgen ging Tobi zu den anderen Kobolden. Sein Herz klopfte. „Ich muss euch etwas sagen“, begann er mit zittriger Stimme. „Ich war es, der die Laterne umgestoßen hat. Aus Versehen, beim Fangenspielen. Und dann habe ich mich nicht getraut, es zuzugeben. Es tut mir so leid.“ Die anderen Kobolde schauten ihn an.
Die alte Kobold-Oma trat vor. „Danke, dass du ehrlich bist, Tobi“, sagte sie ruhig. „Das ist mir wichtiger als die Laterne. Ein Missgeschick kann jedem passieren. Aber die Wahrheit zu sagen, obwohl man Angst hat, das braucht echten Mut.“ Tobi war erleichtert. Der schwere Stein fiel von seinem Herzen, und er fühlte sich auf einmal ganz leicht.
„Und weißt du was?“, fügte die Oma hinzu. „Die Zauberlaterne ist gar nicht kaputt. Ihr Licht ist nur erloschen, weil sie umgefallen ist. Wir müssen sie nur wieder aufrichten und neu entzünden – am besten gemeinsam.“ Erleichtert half Tobi den anderen, die Laterne wieder aufzustellen, und gemeinsam entzündeten sie ihr warmes Licht neu.
Bald leuchtete die Zauberlaterne wieder heller als zuvor und erhellte den ganzen Koboldplatz. Tobi war so froh, dass er ehrlich gewesen war. „Ehrlich sein fühlt sich viel besser an als ein Geheimnis zu verstecken“, sagte er. Die anderen Kobolde nickten und mochten ihn für seine Ehrlichkeit nur noch mehr.
Am Abend, ohne den schweren Stein im Bauch, kuschelte sich Tobi in sein weiches Moosbett. „Heute war ich ehrlich“, dachte er erleichtert und zufrieden. Die Zauberlaterne leuchtete warm über dem Koboldplatz, der Mond schien durch die Blätter, und mit einem leichten, ruhigen Herzen schlief der kleine Kobold Tobi friedlich ein. Schlaf gut, Tobi. Gute Nacht.
