schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Der Drache, der Angst vorm Fliegen hatte

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
Schrift

In einer Höhle hoch oben am Berg lebte der kleine Drache Dorin. Dorin konnte schon herrlich Feuer spucken und war ein kluger kleiner Drache. Doch eine Sache machte ihm Angst: das Fliegen. Während seine Geschwister fröhlich durch die Lüfte sausten, blieb Dorin lieber am sicheren Boden seiner Höhle.

„Komm, Dorin, flieg mit uns!“, riefen seine Drachengeschwister von draußen. „Der Himmel ist herrlich!“ Doch Dorin schüttelte den Kopf und schaute ängstlich über den Felsrand in die Tiefe. „Da unten ist es so weit weg“, dachte er. „Was, wenn meine Flügel nicht tragen? Was, wenn ich abstürze?“ Sein Herz klopfte schon beim bloßen Gedanken.

Tag für Tag schaute Dorin seinen fliegenden Geschwistern sehnsüchtig zu, traute sich aber nicht. „Ein Drache, der nicht fliegen kann“, dachte er beschämt. Da setzte sich seine Mama zu ihm. „Mein Dorin“, sagte sie sanft, „in deinen Flügeln steckt eine große Kraft. Du musst ihnen nur vertrauen. Und du musst nicht gleich hoch hinaus – wir fangen ganz klein an.“

„Wie meinst du das?“, fragte Dorin. „Schau“, sagte Mama, „dort drüben ist ein kleiner, flacher Felsvorsprung, nur ein winziges Stück tiefer. Spring von dort, breite deine Flügel aus und gleite einfach hinüber. Ganz kurz nur. Ich bin direkt neben dir.“ Dorin schluckte. Ein kleiner Sprung klang machbar. „Na gut“, flüsterte er. „Ich versuche es.“

Dorin stellte sich an die Kante des kleinen Vorsprungs, breitete seine Flügel aus und holte tief Luft. Sein Herz pochte. „Ein kleiner Sprung“, sagte er sich. „Ich schaffe das.“ Und dann sprang er. Für einen winzigen Moment fiel er – doch dann fingen seine ausgebreiteten Flügel die Luft, und er glitt sanft hinüber zum nächsten Felsen.

„Ich bin geflogen!“, rief Dorin überrascht. „Na ja – ein kleines Stück!“ Mama lächelte stolz. „Siehst du? Deine Flügel tragen dich. Probier es gleich noch einmal, ein bisschen weiter.“ Dorin, nun schon mutiger, sprang erneut und glitt ein längeres Stück. Mit jedem Flug wurde seine Angst kleiner und seine Freude größer.

Bald flatterte und glitt Dorin immer höher und weiter, bis er sich schließlich traute, sich vom hohen Felsen in die Luft zu stürzen. Und – er flog! Richtig flog er nun durch den weiten Himmel, kreiste über den Bergen und jauchzte vor Glück. Seine Geschwister jubelten. „Dorin fliegt! Dorin fliegt!“

Am Abend, müde und überglücklich, kehrte Dorin in die warme Höhle zurück. „Ich hatte solche Angst“, sagte er zu seiner Mama, „aber ich habe mich Schritt für Schritt getraut, und jetzt liebe ich das Fliegen.“ Zufrieden rollte er sich zusammen, ein warmes Flämmchen im Bauch, und schlief stolz und glücklich ein. Schlaf gut, kleiner Dorin.