Im weiten, blauen Meer lebte ein kleiner Delfin namens Davi. Jede Nacht schwamm er an die Oberfläche und schaute hinauf zum Himmel, wo die Sterne funkelten. „Wie schön sie leuchten“, seufzte Davi. „Einen einzigen Stern möchte ich einmal berühren. Nur ein einziges Mal.“
Davi sprang aus dem Wasser, so hoch er konnte. Er schnellte empor, streckte sich – doch die Sterne blieben weit, weit weg. Platsch, fiel er wieder ins Meer. Wieder und wieder versuchte er es, sprang und sprang, bis er ganz erschöpft war. „Ich erreiche sie einfach nicht“, sagte er traurig.
Eine alte Meeresschildkröte glitt vorbei. „Warum so betrübt, kleiner Davi?“, fragte sie. „Ich möchte einen Stern berühren“, klagte Davi, „aber sie sind viel zu hoch.“ Die Schildkröte lächelte weise. „Vielleicht musst du gar nicht so hoch hinaus. Tauch doch einmal tief hinab und schau dich um.“
Davi verstand nicht ganz, doch er folgte dem Rat. Er holte tief Luft und tauchte hinunter in die dunkle, ruhige Tiefe. Und was er dort sah, ließ ihn staunen: Überall auf dem Meeresboden lagen Seesterne – echte, lebendige Sterne, in Rot, Orange und Gelb, die sanft im Wasser schimmerten.
„Sterne!“, rief Davi begeistert. „Hier unten gibt es auch Sterne!“ Vorsichtig schwamm er zu einem leuchtenden Seestern und berührte ihn ganz sanft mit seiner Schnauze. Der Seestern war weich und warm und wackelte freundlich mit seinen Armen. Davi hatte endlich einen Stern berührt.
„Siehst du“, sagte die Schildkröte, die ihm gefolgt war. „Du hast immer nur nach oben geschaut, zu den Sternen, die du nicht erreichen kannst. Dabei waren die schönsten Sterne die ganze Zeit hier, ganz nah bei dir.“ Davi lächelte glücklich. Er hatte es die ganze Zeit übersehen.
Von da an besuchte Davi jeden Tag seine Seesterne am Meeresboden. Er spielte mit ihnen, erzählte ihnen von den Sternen am Himmel und freute sich an ihrem sanften Leuchten. Und abends schaute er noch immer gern nach oben – aber nun wusste er, dass auch unten, ganz nah, Sterne auf ihn warteten.
An diesem Abend wiegte sich Davi zufrieden an der Wasseroberfläche. Über ihm funkelten die Himmelssterne, unter ihm leuchteten die Seesterne, und er war glücklich, mitten dazwischen. „Das Schönste ist oft ganz nah“, dachte er müde und ließ sich von den sanften Wellen in den Schlaf schaukeln. Gute Nacht, kleiner Davi.
