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Der Dachs, der teilen lernte

Freundschaft · Dankbarkeitab 5 4 Min.
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Tief unter den Wurzeln einer alten Eiche wohnte ein Dachs namens Bruno. Bruno war fleißig und sparsam. Den ganzen Sommer und Herbst hatte er gesammelt: Nüsse, Beeren, Wurzeln und Pilze. Sein Vorratskeller war so voll, dass kaum noch ein Körnchen hineinpasste. „Alles meins“, brummte er zufrieden.

Bruno teilte nie etwas. Wenn ein anderes Tier vorbeikam, schloss er schnell seine Tür. „Wer weiß, ob ich nicht selbst alles brauche“, dachte er. Und so saß er Abend für Abend allein in seinem vollen Keller und aß für sich. Doch je voller sein Vorrat wurde, desto leerer fühlte sich sein Herz.

Eines kalten Winterabends klopfte es leise an Brunos Tür. Draußen stand ein kleiner Fuchs, dünn und zitternd, mit Schnee auf der Nase. „Verzeih die Störung“, sagte der Fuchs mit schwacher Stimme. „Ich habe seit zwei Tagen nichts gefunden. Hättest du vielleicht eine Kleinigkeit für mich?“

Bruno zögerte. Sein Vorrat! Sollte er wirklich etwas hergeben? Doch als er in die müden Augen des kleinen Fuchses sah, konnte er nicht anders. „Na komm rein“, brummte er und holte eine Handvoll Nüsse und ein paar Beeren hervor. Der Fuchs aß hungrig und seufzte erleichtert. „Danke“, sagte er. „Du hast mir das Leben gerettet.“

Etwas Seltsames geschah in Brunos Brust: Es wurde ganz warm. Der Fuchs lächelte ihn so dankbar an, dass Bruno selbst ganz glücklich wurde. „Bleib doch über Nacht“, hörte er sich sagen. „Draußen ist es eiskalt.“ Und so saßen die beiden zusammen am Feuer, erzählten Geschichten und lachten, bis sie müde wurden.

Am nächsten Morgen sprach sich herum, dass Bruno geholfen hatte. Bald klopften weitere Tiere an: ein Eichhörnchen mit leerem Bauch, eine Meise, eine kleine Maus. Und jedes Mal, wenn Bruno teilte, wurde sein Herz ein bisschen wärmer. Sein Keller leerte sich – doch seine Höhle füllte sich mit Freunden.

„Komisch“, dachte Bruno eines Abends. „Früher hatte ich alles und war allein. Jetzt habe ich weniger im Keller und bin so reich an Freunden.“ Die Tiere brachten sogar selbst etwas mit, wenn sie konnten: ein paar Körner, einen getrockneten Apfel. So sorgten nun alle füreinander, und niemand hungerte mehr.

Der Winter, der Bruno früher so einsam gemacht hatte, wurde der schönste seines Lebens. Jeden Abend war seine Höhle voller Wärme, voller Lachen und voller Freundschaft. „Teilen“, sagte Bruno oft, „macht nicht ärmer. Es macht das Herz voll.“

Als die ersten warmen Frühlingsstrahlen durch den Wald fielen, lag Bruno zufrieden in seinem Bau. Seine Freunde schliefen friedlich um ihn herum. Bruno gähnte, kuschelte sich tiefer ins Moos und lächelte. Noch nie hatte er sich so satt und so glücklich gefühlt. Schlaf gut, lieber Bruno.