Im Wald wurde jedes Jahr ein großes Sommerfest gefeiert, bei dem alle Tiere tanzten. Die Rehe tanzten elegant, die Eichhörnchen wirbelten flink, und die Vögel tanzten in der Luft. Nur der große Bär Balduin stand immer am Rand und schaute zu. „Ich bin viel zu groß und zu plump zum Tanzen“, seufzte er. „Das sieht bestimmt albern aus.“
Balduin wäre so gern einmal mitgetanzt. Doch jedes Mal, wenn die Musik begann, schämte er sich. „Meine Pfoten sind so schwer, und ich bin so ungeschickt“, dachte er. „Die anderen würden mich auslachen.“ Und so blieb er Jahr für Jahr nur Zuschauer und tappte traurig wieder nach Hause.
In diesem Jahr bemerkte die kleine Maus Mimi, wie sehnsüchtig Balduin zuschaute. Sie huschte zu ihm. „Warum tanzt du nicht mit, Balduin?“, fragte sie. „Ich kann nicht tanzen“, brummte Balduin. „Ich bin zu groß und ungeschickt.“ Mimi lächelte. „Ach was. Tanzen kann jeder – man muss es nur auf seine eigene Art machen.“
„Schau“, sagte Mimi, „du musst nicht wirbeln wie die Eichhörnchen oder hüpfen wie die Rehe. Beweg dich einfach so, wie es sich für dich gut anfühlt. Wiege dich hin und her, stampfe im Takt – das ist dein Tanz.“ Balduin schaute unsicher. „Meinst du wirklich?“ „Probier es einfach“, ermutigte ihn Mimi.
Zögernd trat Balduin auf die Tanzfläche. Die Musik spielte, und Balduin begann, sich sanft hin und her zu wiegen. Seine großen Pfoten stampften langsam im Takt, bumm, bumm, bumm. Erst war es ihm peinlich, doch dann spürte er, wie viel Spaß es machte. Er wiegte sich, drehte sich schwerfällig, aber fröhlich.
Und etwas Wunderbares geschah: Sein gemütliches, stampfendes Tanzen gab der Musik einen tollen, kräftigen Rhythmus. Bumm, bumm, bumm – die anderen Tiere fingen an, im Takt seiner Pfoten zu tanzen. „Balduin, dein Tanz ist großartig!“, riefen sie. „So einen schönen Rhythmus kann keiner von uns!“ Balduin strahlte.
Bald tanzten alle Tiere zu Balduins kräftigem Stampftakt, und es wurde das schönste Waldfest seit langer Zeit. Balduin lachte und tanzte die ganze Nacht. „Ich dachte, ich könnte nicht tanzen“, sagte er glücklich zu Mimi. „Dabei musste ich nur meinen eigenen Tanz finden.“ Mimi quietschte vergnügt. „Genau!“
Müde und überglücklich tapste Balduin am Ende des Festes nach Hause. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte er stolz und ein bisschen verschwitzt vom vielen Tanzen. In seiner Höhle kuschelte er sich zufrieden ins Moos und schlief mit einem Lächeln ein. Schlaf gut, lieber Balduin.
