Es war spät geworden in der stillen Bucht. Das Wasser lag ruhig und dunkel da, und die ersten Sterne spiegelten sich auf seiner glatten Oberfläche. Der kleine Delfin Nio aber war noch wach. Er kuschelte sich an seinen Opa, einen großen, sanften Delfin mit klugen Augen. „Opa“, bat Nio leise, „erzählst du mir noch etwas vom Meer, bevor ich schlafe?“
Opa lächelte und legte seine Flosse sanft um den Kleinen. „Aber natürlich, mein Nio“, sagte er mit seiner tiefen, ruhigen Stimme. „Hör gut zu, und lass deine Augen dabei ganz schwer werden. Das Meer hat so viele Wunder, dass man ein ganzes Leben braucht, um sie alle zu sehen.“ Nio kuschelte sich tiefer in das warme Wasser und lauschte.
„Weit, weit draußen“, begann Opa, „wo das Wasser tiefblau und ganz ruhig ist, da leben die großen, sanften Wale. Sie singen wunderschöne Lieder, die durch das ganze Meer klingen. Manchmal, in stillen Nächten, kann man sie ganz leise hören. Es klingt wie ein sanftes Summen, das einen ganz friedlich macht.“ Nios Atem wurde langsamer.
„Und tief unten am Meeresgrund“, erzählte Opa weiter, „gibt es Gärten aus Korallen, bunter als ein Regenbogen. Rote, gelbe und violette Korallen, zwischen denen winzige Fische wie funkelnde Edelsteine umherschwimmen. Alles wiegt sich dort ganz langsam in der sanften Strömung, hin und her, hin und her, immerzu.“ Nios Augenlider wurden schwer.
„Es gibt Seepferdchen, die sich an Grashalme klammern und sanft schaukeln“, flüsterte Opa. „Und Quallen, die durch das Wasser schweben wie zarte, leuchtende Schirmchen. Und ganz oben tanzen die Sonnenstrahlen durch das Wasser und malen helle Muster auf den Sand. Das Meer ist niemals langweilig, aber es ist immer ruhig und friedlich.“
Nio gähnte herzhaft. „Und wo schlafen all die Tiere?“, murmelte er verschlafen. „Jedes an seinem ruhigen Platz“, antwortete Opa leise. „Die Fische zwischen den Korallen, die Krebse unter den Steinen, die Schildkröten in ihrem weichen Seegras. Und die kleinen Delfine“, er drückte Nio sanft, „die schlafen ganz nah bei ihrem Opa, gut behütet.“
„Das Meer wiegt uns alle in den Schlaf“, sagte Opa und sprach nun ganz leise und langsam. „Spürst du, wie das Wasser dich sanft hin und her trägt? Wie eine große, warme Hand, die ganz sacht schaukelt. Du musst gar nichts tun. Lass dich einfach tragen.“ Nio spürte das sanfte Wiegen und sank immer tiefer in eine wohlige Müdigkeit.
„Atme ein“, flüsterte Opa, „und ganz langsam wieder aus.“ Nio atmete ein und aus, ein und aus, und mit jedem Atemzug wurde er ruhiger und schwerer. Die Sterne funkelten über ihm, das Wasser glänzte sanft, und irgendwo in der Ferne sang ganz leise ein Wal sein friedliches Lied.
Und während Opa noch ganz still neben ihm wachte und das warme Meer ihn sacht in den Armen hielt, schlief der kleine Delfin Nio glücklich und geborgen ein. „Gute Nacht, mein Kleiner“, flüsterte Opa und gab ihm einen sanften Stups. „Träum schön vom weiten, wunderbaren Meer.“ Schlaf gut, Nio. Gute Nacht.
