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Delfin Nila und der neue Freund

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst)ab 3 4 Min.
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Die kleine Delfindame Nila war fröhlich und neugierig und kannte fast alle Tiere ihrer Bucht. Eines Tages, als sie um ein Korallenriff schwamm, entdeckte sie in einer dunklen Felsspalte zwei große, glänzende Augen, die sie schüchtern beobachteten. „Hallo!“, rief Nila freundlich. Doch sofort verschwanden die Augen tiefer in der Spalte. „Komisch“, dachte Nila. „Wer versteckt sich denn da?“

Nila schwamm vorsichtig näher. In der Felsspalte kauerte ein kleiner Tintenfisch, der sich ganz klein machte. „Geh weg“, sagte er leise. „Ich verstecke mich lieber.“ Nila legte den Kopf schief. „Warum versteckst du dich denn?“, fragte sie sanft. Der kleine Tintenfisch seufzte. „Weil ich anders bin als alle anderen“, sagte er. „Ich kann meine Farbe wechseln, und das finden die anderen seltsam. Da bleibe ich lieber für mich.“

„Du kannst deine Farbe wechseln?“, fragte Nila neugierig. „Das möchte ich sehen!“ Der kleine Tintenfisch zögerte. „Wirklich? Du findest das nicht seltsam?“ „Überhaupt nicht“, sagte Nila. „Das klingt wunderbar! Zeig es mir doch.“ Vorsichtig kam der Tintenfisch ein Stück aus seiner Spalte heraus und wechselte seine Farbe von Grau zu leuchtendem Blau, dann zu Rot und Gelb.

„Oh, wie schön!“, rief Nila begeistert. „Das ist ja zauberhaft! Du leuchtest ja in allen Farben des Regenbogens!“ Der kleine Tintenfisch staunte. Noch nie hatte jemand seine Farbwechsel schön gefunden – immer hatten sich die anderen nur darüber gewundert. „Du … du findest das wirklich schön?“, fragte er ungläubig. „Und wie!“, sagte Nila. „Das kann sonst niemand. Das ist deine ganz besondere Gabe.“

Langsam fasste der kleine Tintenfisch Vertrauen und kam ganz aus seiner Spalte heraus. „Ich heiße Tinto“, sagte er schüchtern. „Und ich bin Nila“, sagte die Delfindame fröhlich. „Magst du mit mir das Riff erkunden?“ Tinto zögerte nur kurz, dann nickte er. Zum ersten Mal seit Langem traute er sich aus seinem Versteck heraus.

Gemeinsam schwammen Nila und Tinto durch das bunte Riff. Tinto zeigte Nila die geheimsten Verstecke, und Nila zeigte Tinto die schönsten Spielplätze. Und immer, wenn Tinto seine Farbe wechselte, freute sich Nila von Neuem. Tinto merkte, dass es wunderbar war, einen Freund zu haben, der ihn so mochte, wie er war.

„Weißt du“, sagte Tinto, als sie gemeinsam durchs Wasser glitten, „früher habe ich mich versteckt, weil ich dachte, ich bin zu seltsam. Aber du hast mir gezeigt, dass mein Farbwechsel etwas Schönes ist. Danke, dass du mich nicht weggeschickt hast.“ Nila lächelte. „Gerade weil du anders bist, bist du ein besonderer Freund“, sagte sie.

Bald lernte Tinto durch Nila auch andere Tiere des Riffs kennen, und alle fanden seine Farbwechsel wunderschön. Tinto versteckte sich nicht mehr. Er hatte gelernt, dass er nicht allein sein musste, nur weil er anders war – er musste sich nur trauen, herauszukommen.

Am Abend, als das Riff in sanftes Dämmerlicht getaucht war, verabschiedeten sich die beiden Freunde. „Bis morgen, Tinto!“, rief Nila. „Bis morgen, Nila!“, antwortete Tinto und leuchtete vor Freude in sanftem Rosa. Nila schwamm zu ihrem Schlafplatz und kuschelte sich ein. „Heute habe ich einen neuen Freund gewonnen“, dachte sie glücklich. Das Meer wiegte sie sanft, die Sterne funkelten über der Bucht, und mit einem warmen Herzen schlief die kleine Delfindame Nila zufrieden ein. Schlaf gut, Nila. Gute Nacht.