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Delfin Finn und die einsame Schildkröte

Freundschaftab 5 3 Min.
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Delfin Finn war ein fröhlicher kleiner Kerl, der die ganze Bucht kannte. Er sauste zwischen den Felsen hindurch, spielte Fangen mit den Fischen und kannte die besten Plätze zum Spielen. Eines Tages aber, als er um eine große Felsnase herumschwamm, entdeckte er etwas, das er noch nie bemerkt hatte: eine alte Meeresschildkröte, die ganz allein und langsam ihre Bahnen zog.

„Hallo!“, rief Finn fröhlich. Die Schildkröte hob langsam den Kopf. „Hallo, kleiner Delfin“, sagte sie freundlich, aber ein wenig traurig. „Es ist lange her, dass jemand mit mir gesprochen hat.“ Finn schwamm näher. „Warum bist du denn so allein hier draußen?“, fragte er. Die Schildkröte seufzte. „Ich bin sehr langsam“, sagte sie. „Die anderen sind immer viel zu schnell für mich. Da bleibe ich lieber für mich.“

Finn dachte nach. Er sauste so gern herum – aber allein zu sein, das stellte er sich furchtbar vor. „Weißt du was?“, sagte er. „Dann schwimme ich eben langsam. Darf ich ein Stück mit dir mitschwimmen?“ Die alte Schildkröte schaute ihn überrascht an. „Du würdest extra langsam machen? Für mich?“ „Klar“, sagte Finn und grinste. „Schnellsein kann ich auch ein andermal.“

Und so glitten die beiden gemächlich nebeneinanderher. Finn merkte schnell, dass das Langsamschwimmen gar nicht langweilig war. Im Gegenteil: Auf einmal sah er Dinge, an denen er sonst immer vorbeigesaust war. Eine winzige Krabbe, die über den Sand wanderte. Eine Muschel, die in allen Farben schimmerte. Einen Seestern, der gemütlich auf einem Felsen saß.

„Das hier ist meine Lieblingsstelle“, sagte die Schildkröte und führte Finn zu einer stillen Wiese aus weichem Seegras, das sich sanft in der Strömung wiegte. „Hier ist es so friedlich. Aber alleine ist es nur halb so schön.“ Finn schaute sich um. „Es ist wunderschön hier“, sagte er ehrlich. „Und ab jetzt bist du nicht mehr allein.“

Von diesem Tag an besuchte Finn die Schildkröte jeden Tag. Mal erzählte er ihr von seinen schnellen Abenteuern, mal lauschte er ihren Geschichten von fernen Meeren, die sie in ihrem langen Leben gesehen hatte. Die alte Schildkröte lachte wieder, und ihre Augen leuchteten. „Du hast mein Herz ganz warm gemacht, kleiner Finn“, sagte sie.

Bald merkten auch die anderen Tiere, wie freundlich die alte Schildkröte war. Ein neugieriger Fisch kam dazu, dann noch einer, und schließlich war um die langsame Schildkröte immer ein fröhliches Grüppchen versammelt. Niemand war mehr allein – und das alles, weil Finn einmal langsam gemacht hatte.

Am Abend, als das Wasser sich rosa und golden färbte, verabschiedete sich Finn. „Bis morgen“, sagte er und drückte die Schildkröte sanft mit seiner Flosse. „Bis morgen, mein lieber Freund“, antwortete sie glücklich. Finn schwamm langsam und zufrieden nach Hause.

In seinem ruhigen Schlafplätzchen zwischen den weichen Algen kuschelte er sich ein. „Heute habe ich einen neuen Freund gefunden“, dachte er glücklich, „weil ich einfach mal langsam war.“ Das Meer rauschte leise, und mit einem warmen Gefühl im Herzen schlief der kleine Delfin Finn zufrieden ein. Schlaf gut, Finn.