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Das tapfere Schneeglöckchen

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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Tief unter der gefrorenen Erde, eingekuschelt in ihre warme Zwiebel, schlief ein kleines Schneeglöckchen den Winter über. Eines Tages spürte es ein leises Kribbeln. „Es wird Zeit“, flüsterte eine sanfte Stimme in ihm. „Zeit, ans Licht zu wachsen.“ Doch das kleine Schneeglöckchen zögerte. „Aber es ist doch noch so kalt da oben.“

Vorsichtig streckte das Schneeglöckchen seinen Trieb nach oben und lugte aus der Erde. Und tatsächlich – überall lag noch Schnee. Die Welt war weiß und still und eisig. „Brrr“, fröstelte das Schneeglöckchen. „Hier ist ja noch tiefster Winter. Keine einzige andere Blume ist da. Soll ich mich wirklich hinaustrauen?“

Die anderen Blumenzwiebeln unter der Erde rieten ihm ab. „Bleib lieber hier unten, wo es warm ist“, raunten sie. „Es ist viel zu kalt da draußen. Warte, bis der Frühling richtig kommt.“ Doch das kleine Schneeglöckchen spürte tief in sich den Wunsch zu wachsen. „Irgendjemand muss der Erste sein“, dachte es mutig.

Und so fasste sich das Schneeglöckchen ein Herz. Tapfer schob es seinen zarten grünen Stängel durch die kalte Erde, durch den Schnee, hinauf ans Licht. Der Wind war eisig, und Schneeflocken kitzelten an seinen Blättern. Doch das Schneeglöckchen wuchs und wuchs, bis es schließlich seine weiße, glockenförmige Blüte öffnete.

Da stand es nun, das einzige Blümchen weit und breit, mitten im weißen Schnee – zart und klein, aber wunderschön. Seine weiße Blüte leuchtete wie ein kleines Licht der Hoffnung in der winterlichen Landschaft. „Ich habe es geschafft“, flüsterte das Schneeglöckchen stolz, obwohl es ein bisschen fröstelte.

Bald kamen die ersten Tiere vorbei und staunten. „Schaut, ein Schneeglöckchen!“, zwitscherte ein Vogel. „Das bedeutet, der Frühling ist nicht mehr fern!“ Die Tiere freuten sich, denn das tapfere kleine Blümchen brachte ihnen die Hoffnung, dass die kalte Zeit bald vorbei sein würde. „Danke, kleines Schneeglöckchen, dass du dich getraut hast!“

Und das Schneeglöckchen hatte recht behalten: Nur wenige Tage später streckten überall weitere Schneeglöckchen ihre Köpfchen aus der Erde, ermutigt vom ersten tapferen Blümchen. Bald folgten Krokusse und Veilchen, und der Frühling hielt Einzug. Das kleine Schneeglöckchen aber war stolz, der allererste Bote gewesen zu sein.

Als der Abend kam und die Sonne hinter den Hügeln versank, schloss das Schneeglöckchen seine Blüte ein wenig und wiegte sich sanft im milder werdenden Wind. „Mut bringt die Hoffnung“, dachte es zufrieden. Geborgen in der nun nicht mehr ganz so kalten Nacht, schlief das tapfere kleine Schneeglöckchen ein. Schlaf gut, kleines Schneeglöckchen.