Am Nachthimmel funkelte ein freundliches Sternenkind namens Lumi. Eines Abends aber konnte Lumi gar nicht richtig leuchten, denn eine kleine graue Wolke hatte sich genau vor es geschoben und verdeckte sein Licht. „Hallo, kleine Wolke“, sagte Lumi freundlich. „Würdest du vielleicht ein Stückchen zur Seite ziehen, damit ich für die Kinder auf der Erde leuchten kann?“
Doch die kleine Wolke rührte sich nicht. Stattdessen hörte Lumi ein leises Schluchzen. „Warum weinst du denn?“, fragte Lumi sanft. Die kleine Wolke seufzte. „Ich bin so traurig“, sagte sie. „Alle anderen Wolken sind weiß und prächtig und schweben fröhlich über den schönsten Orten. Ich bin nur eine kleine graue Wolke, die niemand mag. Da verstecke ich mich lieber hier am dunklen Nachthimmel.“
Lumi bekam Mitleid mit der traurigen kleinen Wolke. „Du musst dich doch nicht verstecken“, sagte es. „Erzähl mir, warum du glaubst, dass dich niemand mag.“ Die Wolke schniefte. „Weil ich grau bin und manchmal regne“, sagte sie. „Die Menschen freuen sich nie über mich. Sie sagen immer: ‚Oh nein, eine graue Regenwolke.‘ Dabei kann ich doch gar nichts dafür.“
Lumi dachte nach. „Aber weißt du was?“, sagte es dann. „Dein Regen ist doch etwas Wunderbares! Ohne den Regen würden die Blumen verdursten und die Felder vertrocknen. Die Bauern warten oft sehnsüchtig auf eine Regenwolke wie dich. Und nach dem Regen, wenn die Sonne kommt, zauberst du sogar einen Regenbogen. Du bist gar nicht unwichtig – du bist wichtig für das ganze Leben auf der Erde!“
Die kleine Wolke hörte auf zu weinen. „Wirklich?“, fragte sie. „Mein Regen ist etwas Gutes?“ „Aber natürlich!“, sagte Lumi. „Und außerdem finde ich dein sanftes Grau wunderschön. Es ist weich und gemütlich wie eine flauschige Decke.“ Die kleine Wolke wurde bei diesen Worten ganz warm ums Herz, und ein erstes kleines Lächeln huschte über sie.
„Danke, liebes Sternenkind“, sagte die Wolke. „Du hast mir gezeigt, dass ich gar nicht unwichtig bin. Und weißt du was? Jetzt ziehe ich gern zur Seite, damit du leuchten kannst. Du sollst für die Kinder auf der Erde funkeln.“ Sanft schwebte die kleine Wolke ein Stück weiter, und Lumis warmes Licht konnte endlich wieder hell über die Erde strahlen.
Von da an waren das Sternenkind und die kleine Wolke Freunde. Oft schwebte die Wolke abends zu Lumi, und sie erzählten sich Geschichten. Und wenn die Wolke regnete, freute sie sich nun darüber, weil sie wusste, wie wichtig ihr Regen war. „Ich bin eine wichtige kleine Wolke“, sagte sie stolz, und Lumi funkelte ihr fröhlich zu.
„Manchmal“, dachte Lumi, „muss man jemandem nur zeigen, wie wertvoll er ist, damit er wieder lächeln kann.“ Es war glücklich, dass es der traurigen kleinen Wolke geholfen hatte. Und die kleine Wolke war von da an die fröhlichste graue Wolke am ganzen Himmel.
Am Morgen, als der Himmel hell wurde, kuschelte sich Lumi zufrieden an seine neue Freundin, die weiche kleine Wolke. „Heute habe ich jemanden zum Lächeln gebracht“, dachte es glücklich. Der Himmel färbte sich rosa, die Sterne verblassten sanft, und mit einem warmen Herzen schlief das Sternenkind Lumi, gebettet auf die weiche kleine Wolke, zufrieden ein. Schlaf gut, Lumi. Gute Nacht.
