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Das Stachelschwein und das Kaninchen

Freundschaftab 3 5 Min.
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Am Rand eines freundlichen Waldes lebte ein kleines Stachelschwein namens Stachel. Stachel war ein liebes Kerlchen mit einem weichen Herzen – aber sein ganzer Rücken war mit spitzen Stacheln bedeckt. Und das machte ihn manchmal traurig. Denn am allermeisten wünschte sich Stachel einen Freund zum Kuscheln. Doch sobald ihm jemand zu nahe kam, piksten seine Stacheln, und alle gingen schnell wieder auf Abstand.

Nicht weit entfernt lebte ein kleines Kaninchen namens Mümmel. Mümmel hatte das weichste, flauschigste Fell des ganzen Waldes, so kuschelig wie eine warme Wolke. Auch Mümmel wünschte sich von Herzen einen Freund. Doch die anderen Kaninchen waren oft schon weitergehoppelt, und so saß Mümmel manchmal ganz allein da und sehnte sich nach jemandem, mit dem es die kalten Abende verbringen konnte.

Eines Tages trafen sich die beiden auf einer Lichtung. „Hallo“, sagte Mümmel schüchtern. „Dein Fell sieht so wunderbar weich aus“, sagte Stachel sehnsüchtig. „Und deine Stacheln sehen so interessant aus“, sagte Mümmel. Die beiden mochten sich auf Anhieb. „Wollen wir Freunde sein?“, fragte Stachel hoffnungsvoll. „Oh ja!“, freute sich Mümmel. Doch dann kam das Problem: Als Mümmel sich an Stachel kuscheln wollte – „Aua!“ – piksten die Stacheln.

Mümmel zuckte zurück und rieb sich die Nase. „Tut mir so leid“, sagte Stachel betrübt und ließ den Kopf hängen. „Siehst du, deshalb hat niemand mit mir Freundschaft. Niemand kann mit mir kuscheln, ohne sich zu pieksen.“ Eine kleine Träne kullerte über seine Schnauze. Mümmel aber schüttelte entschieden den Kopf. „Unsinn“, sagte es. „Wir geben nicht so schnell auf. Es muss doch einen Weg geben.“

Und Mümmel dachte nach. „Ich hab's!“, rief es schließlich. „Du hast doch ein weiches Bäuchlein ohne Stacheln, oder? Wenn wir uns Bauch an Bauch kuscheln, mit dem weichen Bauch zueinander, dann pieksen die Stacheln nicht!“ Vorsichtig probierten sie es aus – und tatsächlich: Bauch an Bauch konnten sie sich ganz nah kuscheln, ohne dass es zwickte. „Es funktioniert!“, jubelte Stachel. „Ich kann kuscheln!“

Von da an waren Stachel und Mümmel unzertrennlich. Und schon bald zeigte sich, dass auch Stachels Stacheln, vor denen alle zurückgeschreckt waren, etwas Wunderbares sein konnten. Denn wann immer Gefahr drohte, stellte sich Stachel schützend vor das weiche, wehrlose Mümmel und sträubte seine Stacheln. Kein Fuchs und kein Habicht traute sich dann näher heran. „Bei dir bin ich sicher“, sagte Mümmel dankbar.

Und Mümmels weiches Fell war ein Geschenk für Stachel. An kalten Nächten, wenn der Wind durch den Wald pfiff, kuschelte sich Stachel mit seinem weichen Bauch an Mümmels flauschiges Fell, und beiden wurde mollig warm. „Dein Fell ist das Wärmste der Welt“, seufzte Stachel wohlig. „Und deine Stacheln sind der beste Schutz der Welt“, sagte Mümmel. So schenkte jeder dem anderen genau das, was er selbst nicht hatte.

Eines Tages aber kam ein hungriger Fuchs durch den Wald geschlichen und hatte es genau auf das weiche Mümmel abgesehen. Mümmel erstarrte vor Schreck und konnte nicht weglaufen. Doch blitzschnell rollte sich Stachel zu einer stacheligen Kugel zusammen und schob sich zwischen Mümmel und den Fuchs. Als der Fuchs zuschnappen wollte – „Au!“ – stach er sich an Stachels spitzen Stacheln die Nase und jaulte und rannte davon, so schnell er konnte.

„Du hast mich gerettet!“, rief Mümmel und drückte – ganz vorsichtig, Bauch an Bauch – seinen tapferen Freund. „Deine Stacheln, vor denen sich alle gefürchtet haben, haben mir das Leben gerettet!“ Stachel war ganz stolz. „Und dein weiches Fell“, sagte er, „wärmt mich jede Nacht. Siehst du? Genau das, was uns so verschieden macht, macht uns zu den besten Freunden.“

Die anderen Tiere des Waldes staunten über das ungleiche Paar – das stachelige Stachelschwein und das kuschelweiche Kaninchen – und lernten daraus etwas Schönes: dass es nicht darauf ankommt, ob jemand weich oder stachelig ist. Es kommt nur darauf an, dass man füreinander da ist und einen Weg findet, zusammenzuhalten.

Am Abend, als es im Wald still und kühl wurde, kuschelten sich Stachel und Mümmel zusammen – Bauch an Bauch, ganz vorsichtig und ganz warm. Mümmels weiches Fell wärmte sie beide, und Stachels Stacheln zeigten nach außen und beschützten sie. „Gute Nacht, lieber Stachel“, gähnte Mümmel. „Gute Nacht, liebes Mümmel“, sagte Stachel glücklich.

Und während der Mond über dem Wald aufging und ein sanfter Wind durch die Blätter strich, schliefen das Stachelschwein und das Kaninchen warm und geborgen aneinandergekuschelt ein – zwei ungleiche Freunde, die endlich jemanden zum Kuscheln gefunden hatten. Schlaf gut, Stachel. Schlaf gut, Mümmel. Gute Nacht.