Am Nachthimmel funkelte ein kleines Sternenkind namens Tobi. Tobi hatte gehört, dass ein ganz besonderer Zauber möglich war: Wenn ein Sternenkind als Sternschnuppe über den Himmel fiel und ein Kind auf der Erde sah es und wünschte sich etwas, dann konnte dieser Wunsch wahr werden. „Das würde ich so gern einmal tun“, dachte Tobi. „Einem Kind einen Wunsch erfüllen.“
Doch als Tobi erfuhr, wie das ging, bekam es Angst. „Du musst dich vom Himmel lösen“, erklärte die alte Sternenmutter, „und in einem leuchtenden Bogen über den Himmel fallen, ganz schnell und weit. Das braucht viel Mut, kleines Tobi.“ Tobi schluckte. „So weit fallen?“, fragte es ängstlich. „Und so schnell? Was, wenn ich es nicht schaffe? Was, wenn ich mich fürchte?“
Eines Abends hörte Tobi ein kleines Mädchen auf der Erde, das traurig zum Himmel hinaufschaute. „Ich wünsche mir so sehr eine Sternschnuppe“, flüsterte das Mädchen. „Nur einmal eine echte Sternschnuppe sehen, der ich etwas wünschen kann. Das wäre das Schönste.“ Tobi hörte den sehnlichen Wunsch, und sein Herz wurde ganz warm. „Diesem Mädchen möchte ich den Wunsch erfüllen“, dachte es.
Aber da war ja die Angst vor dem weiten Fall. Tobi zögerte lange. Es schaute hinunter zu dem hoffnungsvollen Mädchen und dann in den weiten, dunklen Himmel, über den es fallen müsste. Sein Herz klopfte. „Ich habe solche Angst“, gestand es der Sternenmutter. Sie lächelte sanft. „Mutig sein heißt nicht, keine Angst zu haben“, sagte sie. „Es heißt, trotz der Angst das Richtige zu tun.“
Tobi atmete tief durch. Es dachte an das kleine Mädchen und seinen Herzenswunsch. „Ich schaff das“, sagte Tobi fest. „Für das Mädchen.“ Es nahm all seinen Mut zusammen, löste sich vom Himmel – und fiel! In einem wunderschönen, leuchtenden Bogen sauste Tobi über den Nachthimmel, schnell und hell, ein langer funkelnder Schweif hinter sich her.
Und unten auf der Erde sah das kleine Mädchen die Sternschnuppe. „Eine Sternschnuppe!“, rief es überglücklich und faltete die Hände. „Ich wünsche mir, dass alle Menschen, die ich liebe, glücklich und gesund sind!“ Tobi spürte, wie der Wunsch des Mädchens es durchströmte, warm und voller Liebe. Und in diesem Moment war Tobis Angst völlig verschwunden – es fühlte nur noch pure Freude.
Der Zauber wirkte: Tobi sauste nicht etwa hinab und verglühte, sondern schwang sich am Ende seines leuchtenden Bogens wieder hinauf zurück an den Himmel, sicher und heil. „Ich habe es geschafft!“, jubelte Tobi. „Ich war eine echte Sternschnuppe, und ich habe dem Mädchen seinen Wunsch erfüllt!“ Es funkelte vor Stolz so hell wie nie zuvor.
Die Sternenmutter strahlte. „Das war sehr mutig, Tobi“, sagte sie. „Du hattest große Angst und hast es trotzdem getan – aus Liebe zu einem Kind, das du nicht einmal kanntest. Darauf darfst du sehr stolz sein.“ Tobi war überglücklich. Es hatte seine Angst überwunden und einem Kind die größte Freude gemacht.
Am Morgen, als der Himmel hell wurde, kuschelte sich Tobi müde und stolz in eine weiche Wolke. „Heute war ich richtig mutig“, dachte es glücklich, „und habe einen Herzenswunsch erfüllt.“ Unten auf der Erde schlief das kleine Mädchen mit einem Lächeln. Der Himmel färbte sich rosa, die Sterne verblassten sanft, und stolz auf seinen Mut schlief das Sternenkind Tobi zufrieden ein. Schlaf gut, Tobi. Gute Nacht.
