Auf dem Mond lebte ein freundliches kleines Mondmännchen namens Pelle. Pelle war einer der Mondbewohner, die in der Nacht über die Träume der Kinder wachten. Jeden Abend stiegen die Träume von der Erde auf, schwebten ein Stück durchs All und kehrten dann zu ihren Kindern zurück. Pelle passte auf, dass kein Traum verlorenging.
Eines Nachts aber geschah etwas Ungewöhnliches. Ein kleiner, leuchtender Traum war von einem Windstoß im All weggetragen worden und schließlich auf dem Mond gelandet, mitten im silbernen Staub. Er flackerte ganz schwach und sah traurig aus. „Hallo, kleiner Traum“, sagte Pelle sanft. „Was machst du denn hier oben? Du gehörst doch zu einem Kind auf der Erde.“
„Ich habe mich verirrt“, flüsterte der kleine Traum mit zarter Stimme. „Ein Wind hat mich fortgeweht, und jetzt finde ich nicht mehr zu meinem Kind zurück. Es ist ein kleines Mädchen namens Mia, und ohne mich kann sie heute Nacht nicht schön träumen. Sie wird ganz traurig sein.“ Eine winzige Träne aus Traumlicht glänzte in ihm.
Pelle bekam sofort ein weiches Herz. „Keine Sorge“, sagte er. „Ich helfe dir, zu deiner Mia zurückzufinden. Wir Mondbewohner kennen den Weg zu jedem schlafenden Kind.“ Vorsichtig nahm Pelle den kleinen Traum auf seine Hände, wo er sich wärmen und wieder ein bisschen heller leuchten konnte. „Komm, ich bringe dich nach Hause.“
Pelle ging zum Rand des Mondes, wo ein sanfter Mondstrahl wie eine leuchtende Brücke hinunter zur Erde führte. „Auf diesem Mondstrahl“, erklärte Pelle, „können wir ganz sanft zur Erde gleiten.“ Behutsam, den kleinen Traum sicher in den Händen, glitt Pelle den silbernen Strahl hinab, durch die sternenklare Nacht, immer tiefer, hin zur schlafenden Erde.
Sie schwebten über dunkle Wälder und stille Städte, bis Pelle ein bestimmtes Fenster fand, hinter dem ein kleines Mädchen unruhig im Bett lag. „Das ist Mia!“, flüsterte der kleine Traum freudig. „Das ist mein Kind!“ Mia drehte sich seufzend im Schlaf hin und her, denn ohne ihren Traum fand sie keine Ruhe. „Schnell“, sagte Pelle, „zurück zu ihr.“
Ganz sanft ließ Pelle den kleinen Traum durchs Fenster zu Mia gleiten. Der Traum schwebte zu dem Mädchen, hüllte es in sein warmes, leuchtendes Licht – und sofort wurde Mias Gesicht ganz friedlich. Sie lächelte im Schlaf und träumte den schönsten Traum, von Blumenwiesen und fliegenden Schmetterlingen. „Danke, lieber Pelle!“, flüsterte der Traum glücklich.
Pelle lächelte zufrieden. „Gern geschehen“, sagte er leise, um Mia nicht zu wecken. „Schön, dass du wieder bei deinem Kind bist.“ Dann glitt er den Mondstrahl wieder hinauf, zurück zum Mond, mit einem warmen Gefühl im Herzen. Er hatte einem verlorenen Traum nach Hause geholfen, und das machte ihn glücklich.
Zurück auf dem Mond kuschelte sich Pelle müde in den weichen Mondstaub. Unter ihm leuchtete die Erde, und irgendwo dort unten schlief die kleine Mia nun friedlich mit ihrem Traum. „Heute habe ich einen verlorenen Traum gerettet“, dachte Pelle zufrieden. Die Sterne funkelten rings um den Mond, alles war still, und mit einem warmen Herzen schlief das kleine Mondmännchen Pelle ein. Schlaf gut, Pelle. Gute Nacht.
