schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Das Mondkind und der Besuch auf der Erde

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
Schrift

Auf dem Mond lebte ein neugieriges kleines Mondkind namens Sila. Von ihrem silbernen Zuhause aus schaute Sila jede Nacht hinunter auf die ferne, leuchtend blaue Erde. „Wie schön sie ist“, seufzte sie sehnsüchtig. „Mit ihren grünen Wäldern und blauen Meeren. Wie gern würde ich sie einmal aus der Nähe sehen!“ Doch der Weg zur Erde war weit, und Sila hatte ein bisschen Angst davor.

„Die anderen Mondkinder reisen manchmal auf einem Mondstrahl zur Erde hinunter“, erzählte Silas Mama. „Möchtest du das auch einmal versuchen?“ Sila zögerte. „Der Weg ist so weit“, sagte sie. „Und so dunkel. Was, wenn ich mich verirre? Was, wenn ich nicht zurückfinde?“ Mama lächelte. „Du musst keine Angst haben, mein Schatz. Der Mondstrahl bringt dich sicher hin und auch wieder zurück.“

Lange traute sich Sila nicht. Doch ihre Neugier auf die schöne Erde wurde immer größer. Eines Abends fasste sie sich endlich ein Herz. „Ich versuche es“, sagte sie tapfer. „Ich möchte die Erde mit eigenen Augen sehen.“ Mama gab ihr einen sanften Stups. „Ich bin stolz auf dich“, sagte sie. „Folge einfach dem hellsten Mondstrahl, dann findest du immer nach Hause.“

Sila trat an den Rand des Mondes, wo ein heller Mondstrahl wie eine leuchtende Rutsche hinunter zur Erde führte. Ihr Herz klopfte. Vorsichtig setzte sie sich auf den weichen Strahl – und glitt langsam hinab, durch die sternenklare Nacht. Anfangs hatte sie Angst, doch der Strahl trug sie ganz sanft und sicher. „Oh“, staunte Sila, „das ist ja gar nicht schlimm. Es ist wunderschön!“

Immer tiefer glitt Sila, vorbei an funkelnden Sternen, bis sie sanft auf einer stillen, mondbeschienenen Wiese auf der Erde landete. Und was sie dort sah, raubte ihr den Atem. Überall blühten Blumen, die im Mondlicht schimmerten. Ein Bach plätscherte leise, Glühwürmchen tanzten durch die Luft, und es duftete herrlich nach Gras und Nacht. „Wie wunderschön die Erde ist!“, flüsterte Sila ergriffen.

Sie erkundete die Wiese voller Staunen. Sie roch an den Blumen, lauschte dem Bach und sah einem kleinen Igel zu, der durchs Gras raschelte. Eine Eule grüßte sie freundlich aus einem Baum. Sila war so glücklich, dass sie sich getraut hatte. „Wenn ich zu Hause geblieben wäre“, dachte sie, „hätte ich das alles nie gesehen.“

Als der Morgen nahte, war es Zeit zurückzukehren. Sila suchte den hellsten Mondstrahl, genau wie Mama gesagt hatte, setzte sich darauf und glitt sanft wieder hinauf zum Mond. Der Rückweg machte ihr gar keine Angst mehr, denn jetzt wusste sie ja, wie sicher der Mondstrahl sie trug. „Was für ein wunderbares Abenteuer“, dachte sie glücklich.

Zu Hause angekommen, erzählte Sila ihrer Mama begeistert von der schönen Erde, von den Blumen, dem Bach und den Glühwürmchen. „Ich hatte solche Angst vor dem Weg“, sagte sie, „und jetzt bin ich so froh, dass ich mich getraut habe.“ Mama drückte sie stolz. „So ist das mit dem Mut“, sagte sie. „Die schönsten Abenteuer warten hinter der Angst.“

Am Ende der Nacht kuschelte sich Sila müde und glücklich in den weichen Mondstaub. Unter ihr leuchtete die schöne blaue Erde, die sie nun mit eigenen Augen gesehen hatte. „Heute war ich mutig“, dachte sie stolz. Die Sterne funkelten rings um den Mond, alles war still und friedlich, und mit dem Herzen voller schöner Erinnerungen schlief das kleine Mondkind Sila zufrieden ein. Schlaf gut, Sila. Gute Nacht.