Das kleine Faultier Pelle kam immer zu spät. Wenn die Tiere des Regenwaldes sich zum Spielen trafen, war Pelle das letzte, das ankam. Wenn es etwas Leckeres zu fressen gab, war meist schon alles weg, bis Pelle gemächlich herangeklettert war. „Immer komme ich zu spät“, seufzte Pelle traurig. „Weil ich so langsam bin, verpasse ich alles.“
„Schneller, Pelle!“, riefen die anderen Tiere oft. „Du bist schon wieder als Letztes da!“ Pelle bemühte sich, doch so sehr es sich auch anstrengte – schneller als ein Faultier konnte es nun mal nicht sein. „Vielleicht“, dachte Pelle bekümmert, „bin ich einfach zu langsam für diese Welt.“ Es fühlte sich oft ausgeschlossen und allein.
Eines Tages waren alle Tiere zu einem fröhlichen Fest am Fluss versammelt. Wie immer kletterte Pelle gemächlich hinterher und kam als Letztes an. Doch auf seinem langsamen Weg durch den Wald bemerkte Pelle etwas, das die anderen in ihrer Eile übersehen hatten: Ein junger Vogel war aus dem Nest gefallen und saß hilflos am Boden, direkt auf dem Pfad.
Weil Pelle so langsam und aufmerksam unterwegs war, sah es den kleinen Vogel genau rechtzeitig. „Oh, du Armer“, sagte Pelle sanft. „Warte, ich helfe dir.“ Ganz vorsichtig, mit seinen ruhigen, behutsamen Bewegungen, hob Pelle den zitternden kleinen Vogel auf und kletterte – langsam, aber sicher – mit ihm zurück zum Nest hinauf, hoch in den Baum.
Sanft setzte Pelle den kleinen Vogel zurück ins Nest, wo seine Mutter schon verzweifelt nach ihm suchte. „Du hast mein Kind gerettet!“, rief die Vogelmutter erleichtert. „Vielen, vielen Dank, liebes Faultier!“ Pelle lächelte bescheiden. „Ich bin nur froh, dass ich rechtzeitig vorbeikam“, sagte es. Erst jetzt kletterte es weiter zum Fest.
Als Pelle – wie immer als Letztes – am Fluss ankam, erzählte die Vogelmutter, die vorausgeflogen war, schon allen, was geschehen war. „Pelle hat mein Vogelkind gerettet!“, rief sie. Die anderen Tiere staunten. „Wenn Pelle nicht so langsam und aufmerksam gewesen wäre“, sagte ein Affe nachdenklich, „hätte niemand den kleinen Vogel bemerkt. Wir sind alle daran vorbeigesaust.“
Pelle wurde ganz verlegen vor lauter Lob. Da kam die weise alte Schildkröte zu ihm. „Siehst du, Pelle“, sagte sie freundlich, „dein langsames, aufmerksames Wesen ist gar kein Nachteil. Heute war es genau richtig. Du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort, weil du dir Zeit nimmst und genau hinschaust. Das ist eine wunderbare Gabe.“
Pelle dachte über diese Worte nach, und ein warmes, stolzes Gefühl breitete sich in ihm aus. Vielleicht kam es manchmal zu spät – aber dafür sah es Dinge, die die schnellen Tiere übersahen, und konnte helfen, wo andere vorbeihetzten. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, sagte Pelle und lächelte. Von da an schämte es sich nie wieder für seine Langsamkeit.
Am Abend, nach einem schönen Fest, kuschelte sich Pelle zufrieden in seine gemütliche Astgabel. „Heute bin ich genau zur richtigen Zeit gekommen“, dachte es glücklich. Über dem Regenwald funkelten die Sterne, ein lauer Wind wiegte die Blätter, und stolz auf sein ruhiges, aufmerksames Wesen schlief das kleine Faultier Pelle zufrieden ein. Schlaf gut, Pelle. Gute Nacht.
