Im verzauberten Wolkental lebte ein kleines Einhorn namens Sternchen. Wie alle Einhörner hatte es ein schimmerndes Fell und ein Horn, das sanft leuchtete. Doch eines Morgens erwachte Sternchen und erschrak: Sein Fell sah ganz matt aus, und sein Horn leuchtete kaum noch. „Oh nein“, rief Sternchen. „Mein Glanz ist weg! Was ist nur mit mir geschehen?“
Verzweifelt lief Sternchen durch das Tal. „Ein Einhorn ohne Glanz ist doch gar kein richtiges Einhorn“, dachte es traurig. Es versuchte, sein Fell im klaren Bach zu waschen, doch der Glanz kam nicht zurück. Es rollte sich im glitzernden Blütenstaub, doch auch das half nichts. Sternchen wurde immer trauriger, und je trauriger es wurde, desto matter wurde sein Fell.
Auf seiner Suche traf Sternchen die weise alte Mondfee, die zwischen den Wolken wohnte. „Liebe Mondfee“, klagte Sternchen, „ich habe meinen Glanz verloren. Kannst du mir helfen, ihn wiederzufinden?“ Die Mondfee betrachtete das kleine Einhorn lange und lächelte sanft. „Dein Glanz ist nicht verloren, kleines Sternchen“, sagte sie. „Du hast nur vergessen, woher er kommt.“
„Woher kommt er denn?“, fragte Sternchen verwundert. „Der Glanz eines Einhorns“, sagte die Mondfee, „kommt nicht von außen. Er kommt von innen, aus dem Herzen. Wenn du fröhlich bist, wenn du anderen hilfst und Gutes tust, dann leuchtet dein Herz – und mit ihm dein ganzes Fell.“ Sternchen verstand nicht ganz, aber es beschloss, es auszuprobieren.
Auf dem Heimweg sah Sternchen ein kleines Wolkenschäfchen, das sich verlaufen hatte und weinte. „Keine Sorge“, sagte Sternchen sanft, „ich bringe dich zu deiner Herde zurück.“ Es führte das Schäfchen liebevoll nach Hause. Und in dem Moment, als das Schäfchen vor Freude lachte, spürte Sternchen ein warmes Kribbeln – und sein Horn leuchtete ein kleines bisschen heller.
Sternchen staunte. Von da an half es, wo es nur konnte. Es tröstete eine traurige Blume, teilte sein Frühstück mit einem hungrigen Vögelchen und brachte einem müden Wanderer den Weg. Und mit jeder guten Tat, mit jedem Lächeln, das es schenkte, wurde sein Fell ein Stückchen glänzender und sein Horn ein bisschen heller.
Als die Sonne unterging, schaute Sternchen in den klaren Bach – und traute seinen Augen kaum. Sein Fell schimmerte schöner als je zuvor, und sein Horn leuchtete strahlend hell. „Mein Glanz ist zurück!“, jubelte es. Die Mondfee, die herbeigeschwebt war, lächelte. „Er war nie wirklich weg“, sagte sie. „Du hast nur wieder gelernt, von innen zu leuchten.“
Sternchen verstand nun. „Mein Glanz kommt von einem fröhlichen, freundlichen Herzen“, sagte es glücklich. „Nicht vom schönsten Fell oder vom hellsten Horn.“ Es hatte etwas Wichtiges gelernt: Das schönste Leuchten kommt immer von innen, und niemand kann es einem wegnehmen, solange man ein gutes Herz hat.
Am Abend, müde und zufrieden, kuschelte sich Sternchen in eine weiche Wolke. Sein Horn leuchtete sanft wie ein kleines Nachtlicht. „Ich leuchte von innen“, dachte es glücklich. Die Sterne funkelten über dem Wolkental, ein milder Wind strich durch die Wolken, und mit einem warmen, leuchtenden Herzen schlief das kleine Einhorn Sternchen zufrieden ein. Schlaf gut, Sternchen. Gute Nacht.
