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Das Eichhörnchen und der goldene Herbst

Dankbarkeitab 5 4 Min.
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Im großen Mischwald lebte ein kleines Eichhörnchen mit einem besonders buschigen Schwanz, weshalb alle es Rotschwanz nannten. Als der Herbst kam und die ersten Blätter von den Bäumen fielen, war Rotschwanz schlecht gelaunt. „Der schöne Sommer ist vorbei“, schimpfte es. „Jetzt wird alles kahl und kalt und grau.“

Während die anderen Tiere fleißig Vorräte sammelten, saß Rotschwanz missmutig auf einem Ast und ärgerte sich. „Bald ist kein Blatt mehr am Baum, und dann kommt der ungemütliche Winter“, brummte es. „Am liebsten würde ich den ganzen Herbst verschlafen.“

Seine Freundin, die weise alte Eule, hörte das Gemecker. „Lieber Rotschwanz“, sagte sie, „du schaust nur auf das, was vergeht. Dabei verpasst du, wie viel Schönes der Herbst gerade schenkt. Komm, ich zeige es dir.“ Neugierig folgte Rotschwanz ihr durch den Wald.

„Schau dir die Bäume an“, sagte die Eule. Rotschwanz blickte hinauf – und stockte. Die Blätter waren nicht grau, sondern leuchteten in den schönsten Farben: feuriges Rot, warmes Orange, glänzendes Gold. Der ganze Wald strahlte, als hätte ihn jemand in flüssiges Sonnenlicht getaucht. „Das ist ja wunderschön“, staunte Rotschwanz.

„Und schau hier“, sagte die Eule weiter und deutete auf den Boden. Überall lagen prall gefüllte Bucheckern, dicke Nüsse und glänzende Eicheln. „Der Herbst schenkt uns ein reiches Festmahl. Nie gibt es so viel zu sammeln und zu naschen wie jetzt.“ Rotschwanz knackte gleich eine Nuss – sie schmeckte herrlich.

Sie liefen weiter, und Rotschwanz entdeckte immer mehr: das gemütliche Rascheln, wenn man durch die bunten Blätter sprang, die letzten warmen Sonnenstrahlen, die durch die Äste fielen, und die Pilze, die wie kleine Häuschen aus dem Moos wuchsen. Mit jedem Schritt wurde Rotschwanz fröhlicher.

„Ich habe das alles gar nicht gesehen“, gab Rotschwanz zu, „weil ich nur traurig war über den Sommer.“ Die Eule lächelte. „Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Geschenke. Man muss nur dankbar genug sein, um sie zu bemerken.“ Rotschwanz nickte nachdenklich.

Von da an sah Rotschwanz den Herbst mit ganz anderen Augen. Es sammelte fleißig Vorräte, sprang durch raschelnde Blätterhaufen und bestaunte jeden Morgen die leuchtenden Farben. „Danke, lieber Herbst“, sagte es nun jeden Tag, „für all deine bunten Geschenke.“

Als der Abend kam, kuschelte sich Rotschwanz in sein gemütliches Nest aus warmem Moos und Blättern, den Bauch voller Nüsse. Draußen leuchtete der Wald golden im letzten Abendlicht. „Der Herbst ist eigentlich wunderschön“, dachte Rotschwanz zufrieden und schlief glücklich ein. Schlaf gut, kleines Eichhörnchen.