schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Das ängstliche Mondkind und die dunkle Seite

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
Schrift

Auf dem Mond, in der hellen, von der Erde aus sichtbaren Silberstadt, lebte ein kleines Mondkind namens Filu. Filu war fröhlich und neugierig, doch vor einer Sache hatte es große Angst: vor der dunklen Seite des Mondes. Das war die Seite, die von der Erde abgewandt war und immer im Schatten lag. „Da ist es bestimmt ganz finster und gruselig“, dachte Filu und mied diese Seite ängstlich.

Die anderen Mondkinder erzählten sich manchmal schaurige Dinge über die dunkle Seite. „Da soll es spuken“, flüsterten sie. „Da traut sich keiner hin.“ Filu bekam jedes Mal eine Gänsehaut, wenn es davon hörte. „Niemals gehe ich dorthin“, sagte es. So blieb Filu immer in der hellen Silberstadt und schaute nie hinüber zur dunklen Seite.

Eines Tages aber rollte Filus liebster Spielball – eine kleine, glänzende Mondkugel – über einen Hügel davon, geradewegs in Richtung der dunklen Seite. „Oh nein!“, rief Filu. „Mein Ball!“ Es lief hinterher, doch der Ball rollte immer weiter, bis er an der Grenze zur dunklen Seite liegenblieb. Filu blieb erschrocken stehen. Sollte es wirklich in die gruselige Dunkelheit gehen?

Filu zögerte lange. Es hatte solche Angst. Doch der Ball war sein liebstes Spielzeug, und es wollte ihn nicht verlieren. „Ich muss da hin“, sagte Filu schließlich tapfer. „Auch wenn ich Angst habe.“ Mit klopfendem Herzen machte es einen ersten vorsichtigen Schritt über die Grenze, hinein in den Schatten der dunklen Seite.

Doch was Filu dort sah, überraschte es völlig. Die dunkle Seite war gar nicht gruselig. Im Gegenteil – sie war wunderschön! Weil hier kein helles Erdlicht störte, konnte man die Sterne viel klarer sehen als irgendwo sonst. Tausende und Abertausende Sterne funkelten am tiefschwarzen Himmel, so nah und hell, dass Filu der Atem stockte. „Oh“, flüsterte es. „Wie wunderschön!“

Filu hob seinen Ball auf und schaute sich staunend um. Die dunkle Seite war still und friedlich, und der Sternenhimmel war prächtiger als alles, was Filu je gesehen hatte. „Hier ist es ja gar nicht gruselig“, sagte Filu. „Hier ist es zauberhaft.“ Es setzte sich hin und betrachtete lange die funkelnden Sterne, ganz ruhig und glücklich.

Als Filu zurück in die Silberstadt kam, erzählte es allen aufgeregt von der dunklen Seite. „Sie ist gar nicht gruselig!“, rief es. „Dort sieht man die schönsten Sterne des ganzen Mondes!“ Die anderen Mondkinder staunten. „Wirklich? Aber wir hatten doch immer Angst davor.“ „Ich auch“, sagte Filu. „Aber als ich mich getraut habe, war da nur Schönes.“

Bald wagten sich auch die anderen Mondkinder, geführt von Filu, hinüber zur dunklen Seite, um die prächtigen Sterne zu bewundern. Aus dem gruseligen Ort war ihr neuer Lieblingsplatz geworden. „Manchmal“, sagte Filu weise, „ist das, wovor man Angst hat, in Wahrheit wunderschön. Man muss sich nur trauen, hinzuschauen.“

Am Ende der Nacht kuschelte sich Filu zufrieden in den weichen Mondstaub. „Heute war ich mutig“, dachte es stolz, „und habe etwas Wunderschönes entdeckt.“ Über ihm funkelten die Sterne, die es nun nicht mehr fürchtete, sondern liebte. Alles war still und friedlich, und mit einem mutigen, glücklichen Herzen schlief das kleine Mondkind Filu zufrieden ein. Schlaf gut, Filu. Gute Nacht.