Der kleine Clownfisch Finchen war mit seiner Familie in ein neues Riff gezogen. Alles war fremd hier: die Korallen, die Strömungen, die anderen Fische. Finchen kannte niemanden, und das machte ihn traurig. „In meinem alten Riff hatte ich so viele Freunde“, seufzte er. „Hier kenne ich keinen einzigen Fisch.“ Schüchtern versteckte er sich zwischen den Armen seiner Anemone.
Von seinem Versteck aus schaute Finchen den anderen jungen Fischen zu, die fröhlich miteinander spielten. Wie gern hätte er mitgemacht! Aber er traute sich nicht. „Was, wenn sie mich nicht mögen?“, dachte er. „Was, wenn ich störe?“ Also blieb er allein in seiner Anemone und schaute sehnsüchtig zu.
Seine Mama bemerkte, wie einsam Finchen war. „Warum spielst du nicht mit den anderen, mein Schatz?“, fragte sie sanft. „Ich trau mich nicht“, gestand Finchen. „Ich kenne sie ja gar nicht.“ Mama lächelte. „Weißt du, wie man jemanden kennenlernt? Ganz einfach: Man schwimmt hin und sagt freundlich Hallo. Das ist der erste Schritt zu jeder Freundschaft.“
„Einfach Hallo sagen?“, fragte Finchen unsicher. „Genau“, sagte Mama. „Probier es doch einmal. Du wirst sehen, die meisten freuen sich, wenn jemand freundlich auf sie zukommt.“ Finchen schluckte. Sein Herz klopfte, aber er fasste sich ein Herz. Langsam schwamm er aus seiner Anemone hinaus, hinüber zu den spielenden Fischen.
Bei den anderen angekommen, wurde Finchen ganz schüchtern. Doch dann holte er tief Luft und sagte: „H-hallo. Ich bin Finchen. Ich bin neu hier.“ Einen Moment lang schwiegen die anderen Fische, und Finchen bekam schon Angst. Doch dann strahlte ein kleiner gelber Fisch ihn an. „Hallo, Finchen! Schön, dass du da bist! Ich bin Gobi. Magst du mit uns spielen?“
Finchen konnte sein Glück kaum fassen. „Wirklich? Ich darf mitspielen?“ „Na klar!“, riefen die anderen Fische. „Je mehr, desto lustiger!“ Und schon war Finchen mittendrin im fröhlichen Spiel. Sie spielten Fangen zwischen den Korallen, machten Wettschwimmen und lachten zusammen. Finchen merkte, dass die anderen genauso nett waren, wie seine Mama gesagt hatte.
Den ganzen Nachmittag spielte Finchen mit seinen neuen Freunden. Sie zeigten ihm die schönsten Plätze im Riff, die geheimsten Verstecke und die besten Spielwiesen aus weichem Seegras. „Es war gar nicht schwer, Freunde zu finden“, dachte Finchen glücklich. „Ich musste mich nur trauen, Hallo zu sagen.“
Als der Abend kam, verabschiedete sich Finchen von seinen neuen Freunden. „Spielst du morgen wieder mit?“, fragte Gobi. „Sehr gern!“, rief Finchen strahlend. Glücklich schwamm er zurück zu seiner Anemone, wo seine Mama schon wartete. „Na, war es so schlimm?“, fragte sie lächelnd. „Überhaupt nicht“, sagte Finchen. „Ich habe ganz viele Freunde gefunden!“
Finchen kuschelte sich zufrieden zwischen die weichen Arme seiner Anemone. Das neue Riff fühlte sich auf einmal gar nicht mehr fremd an, sondern wie ein Zuhause. „Morgen spiele ich wieder mit Gobi und den anderen“, dachte er glücklich. Das warme Wasser wiegte ihn sanft, das Riff wurde still und dunkel, und mit einem warmen Herzen voller neuer Freundschaften schlief der kleine Clownfisch Finchen ein. Schlaf gut, Finchen. Gute Nacht.
