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Ben ist mutig beim Arzt

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 5 Min.
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Ben hatte schon den ganzen Morgen ein flaues Gefühl im Bauch. Denn heute musste er zum Arzt, zur Vorsorgeuntersuchung. „Ich will da nicht hin“, sagte Ben zu Mama und verschränkte die Arme. „Beim Arzt ist es bestimmt schlimm. Was, wenn er mir wehtut?“ Mama setzte sich zu ihm. „Ich verstehe, dass du Angst hast“, sagte sie ruhig. „Aber weißt du was? Der Arzt möchte dir nicht wehtun. Er möchte nur schauen, ob du gesund und stark bist.“

„Komm“, sagte Mama, „ich erkläre dir genau, was der Arzt macht, dann ist es gar nicht mehr so unheimlich. Zuerst schaut er dir mit einer kleinen Lampe in die Ohren und in den Mund. Das kitzelt höchstens ein bisschen. Dann hört er mit einem Stethoskop dein Herz ab – das ist ganz kalt und lustig. Und er misst, wie groß du geworden bist. Du wirst staunen, wie sehr du gewachsen bist!“ Ben hörte aufmerksam zu. Das klang gar nicht so schlimm.

Im Wartezimmer angekommen, klopfte Bens Herz trotzdem. Doch dann entdeckte er eine Spielecke mit Büchern und Bauklötzen, und ein anderes Kind, das fröhlich spielte. „Siehst du?“, sagte Mama. „Die anderen Kinder haben auch keine Angst.“ Ben spielte ein bisschen, und das lenkte ihn ab. Bald wurde sein Name aufgerufen. Ben holte tief Luft und drückte fest Mamas Hand. „Du schaffst das“, flüsterte Mama. „Ich bin die ganze Zeit bei dir.“

Im Behandlungszimmer wartete eine freundliche Ärztin mit einem warmen Lächeln. „Hallo Ben“, sagte sie. „Schön, dass du da bist. Ich bin Doktor Klein. Hab keine Sorge – ich erkläre dir alles, bevor ich es mache, und du darfst jederzeit sagen, wenn dir etwas zu viel ist. Wir machen das ganz in Ruhe zusammen.“ Bens Anspannung ließ ein wenig nach. Die Ärztin war ja richtig nett.

„Zuerst“, sagte Doktor Klein, „schaue ich dir mit dieser kleinen Lampe in die Ohren. Möchtest du sie vorher einmal selbst halten?“ Ben durfte die Lampe in der Hand halten und sah, dass sie ganz harmlos war. Dann schaute die Ärztin vorsichtig in seine Ohren. „Es kitzelt!“, kicherte Ben. „Siehst du?“, lächelte Doktor Klein. „Gar nicht schlimm. Deine Ohren sind übrigens kerngesund.“ Ben war erleichtert.

Als Nächstes kam das Stethoskop. „Damit höre ich, wie dein Herz schlägt“, erklärte die Ärztin. „Möchtest du es vorher einmal an deiner Hand spüren, damit du merkst, wie kalt es ist?“ Ben nickte. Das runde Metall war tatsächlich kühl, aber es tat überhaupt nicht weh. Dann hörte die Ärztin sein Herz ab. „Dein Herz schlägt stark und gesund“, sagte sie. „Du bist ein kräftiger Junge.“ Ben wurde ein bisschen stolz.

Dann durfte Ben auf die große Waage und an die Messlatte. „Oh!“, staunte Doktor Klein. „Du bist aber gewachsen, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe! Bald bist du ein richtig großer Junge.“ Ben strahlte. Das machte ja sogar Spaß. Die ganze Untersuchung war überhaupt nicht so schlimm gewesen, wie er befürchtet hatte. „War das schon alles?“, fragte er fast ein bisschen enttäuscht.

„Fast“, sagte Doktor Klein. „Es gibt nur noch eine kleine Sache: eine winzige Spritze, die dich vor Krankheiten schützt. Sie pikst nur ganz kurz, wie ein kleiner Mückenstich, und dann ist es schon vorbei. Du darfst dabei ganz fest Mamas Hand drücken und tief durchatmen.“ Ben wurde wieder ein bisschen mulmig. Doch Mama drückte seine Hand. „Atme tief ein“, sagte sie, „und schau mich an. Es ist gleich vorbei.“

Ben schaute Mama in die Augen, atmete tief ein – und ehe er sich versah, sagte die Ärztin schon: „Fertig! Das war's.“ Ben blinzelte überrascht. „Das war alles?“, fragte er. „Das hat ja kaum gepikst!“ Doktor Klein lächelte. „Du warst so tapfer, Ben. Dafür bekommst du einen Mut-Aufkleber.“ Sie klebte ihm einen bunten Sticker mit einem Löwen aufs Hemd. „Weil du so mutig warst wie ein Löwe.“

Ben war mächtig stolz auf seinen Mut-Aufkleber. „Ich hatte solche Angst“, sagte er auf dem Heimweg zu Mama, „und dabei war es gar nicht schlimm. Die Ärztin war nett, und die Spritze hat kaum gepikst.“ Mama drückte ihn. „Siehst du?“, sagte sie. „Oft ist die Angst viel größer als das, wovor man sich fürchtet. Du warst heute richtig mutig, und jetzt weißt du: Beim Arzt ist es gar nicht schlimm.“

Zu Hause zeigte Ben stolz allen seinen Löwen-Aufkleber und erzählte, wie tapfer er gewesen war. „Beim nächsten Mal habe ich gar keine Angst mehr“, sagte er. „Ich weiß ja jetzt, dass der Arzt nur schaut, ob ich gesund und stark bin.“ Mama lächelte. „Genau“, sagte sie. „Und du bist beides: gesund und stark – und obendrein sehr mutig.“

Am Abend, als Ben in seinem Bett lag, klebte der Löwen-Aufkleber schon an seinem Nachttisch, damit er ihn immer ansehen konnte. „Mutig wie ein Löwe“, dachte Ben zufrieden und gähnte. Mama gab ihm einen Gutenachtkuss. Die Sterne funkelten vor dem Fenster, und stolz auf seinen Mut beim Arzt schlief der tapfere Ben zufrieden ein. Schlaf gut, Ben. Gute Nacht.