Finn putzte sich jeden Tag brav die Zähne. Doch heute stand etwas Neues an: sein erster Besuch beim Zahnarzt. Schon beim Frühstück hatte Finn ein komisches Gefühl im Bauch. „Ich will da nicht hin“, sagte er. „Beim Zahnarzt ist es bestimmt schlimm. Was, wenn es wehtut?“ Mama setzte sich zu ihm. „Ich verstehe deine Sorge“, sagte sie sanft. „Aber der Zahnarzt möchte dir helfen, dass deine Zähne schön gesund bleiben. Er tut dir nicht weh.“
„Komm“, sagte Mama, „ich erkläre dir, was beim Zahnarzt passiert. Dann ist es gar nicht mehr so unheimlich. Zuerst darfst du dich in einen lustigen Stuhl setzen, der sich rauf und runter bewegen kann, fast wie ein Karussell. Dann schaut der Zahnarzt mit einem kleinen Spiegelchen in deinen Mund, um deine Zähne zu zählen. Das kitzelt höchstens ein bisschen. Und dann werden deine Zähne saubergemacht, damit sie schön glänzen.“
Finn hörte aufmerksam zu. „Ein Stuhl wie ein Karussell?“, fragte er. „Genau“, lächelte Mama. „Viele Kinder finden das richtig lustig. Und weißt du was? Wenn alles vorbei ist, darfst du dir meistens einen kleinen Aufkleber oder einen Sticker aussuchen, weil du so tapfer warst.“ Das klang schon besser. Trotzdem blieb in Finns Bauch ein bisschen Bammel.
Im Wartezimmer angekommen, klopfte Finns Herz. Doch dort gab es eine Spielecke mit Büchern und Spielzeug, und an der Wand hingen lustige Bilder von Zähnen mit Gesichtern. Ein anderes Kind kam gerade aus dem Behandlungszimmer und strahlte über das ganze Gesicht, einen bunten Aufkleber auf dem Pulli. „Siehst du?“, flüsterte Mama. „Das Kind hat überhaupt keine Angst, im Gegenteil.“ Finn fühlte sich ein wenig mutiger.
Dann wurde Finn aufgerufen. Im Behandlungszimmer wartete ein freundlicher Zahnarzt mit einem warmen Lächeln. „Hallo Finn“, sagte er. „Schön, dass du da bist. Ich bin Doktor Zahn. Hab keine Angst – ich erkläre dir alles, bevor ich es mache. Magst du dich in meinen Zauberstuhl setzen? Er kann sich bewegen wie ein Karussell.“ Finn kletterte vorsichtig hinauf, und tatsächlich – der Stuhl fuhr langsam nach oben. „Cool!“, rief Finn und musste lachen.
„Jetzt zähle ich deine Zähne mit diesem kleinen Spiegelchen“, sagte Doktor Zahn. „Mach den Mund auf, so weit du kannst, wie ein großer Löwe.“ Finn riss den Mund auf, und der Zahnarzt zählte ganz vorsichtig seine Zähne. „Eins, zwei, drei …“, zählte er. „Was für schöne, gesunde Zähne du hast, Finn! Du putzt sie bestimmt sehr ordentlich.“ Finn nickte stolz. Es hatte überhaupt nicht wehgetan – es hatte nur ein bisschen gekitzelt.
„Jetzt mache ich deine Zähne mit einer kleinen, summenden Bürste sauber“, erklärte Doktor Zahn. „Sie kitzelt und brummt ein bisschen, aber sie tut nicht weh. Möchtest du sie vorher einmal an deinem Finger spüren?“ Finn durfte die summende Bürste an seinem Finger ausprobieren – sie kitzelte wirklich nur. Dann polierte der Zahnarzt vorsichtig Finns Zähne. „Kitzelt!“, kicherte Finn. „Und jetzt glänzen deine Zähne wie kleine Perlen.“
„War das schon alles?“, fragte Finn überrascht, als der Zahnarzt fertig war. „Das war alles“, sagte Doktor Zahn. „Du warst so tapfer und hast wunderbar mitgemacht. Deine Zähne sind kerngesund.“ Finn konnte es kaum glauben. Die ganze Zeit hatte er Angst gehabt, und dabei war es überhaupt nicht schlimm gewesen – im Gegenteil, der Karussell-Stuhl und die kitzelnde Bürste hatten sogar Spaß gemacht.
„Und weil du so tapfer warst“, sagte Doktor Zahn, „darfst du dir jetzt einen Aufkleber aussuchen.“ Finn suchte sich einen mit einem fröhlichen Krokodil aus, das seine Zähne zeigte. Stolz klebte er ihn sich auf den Pulli. „Ich war tapfer wie ein Krokodil“, sagte er und lachte. Mama drückte ihn. „Das warst du wirklich, mein Schatz. Ich bin so stolz auf dich.“
Auf dem Heimweg erzählte Finn aufgeregt von dem Karussell-Stuhl und der summenden Bürste. „Ich hatte solche Angst“, sagte er, „und dabei war es richtig lustig. Beim nächsten Mal habe ich gar keine Angst mehr.“ Mama nickte. „Siehst du?“, sagte sie. „Oft ist die Angst viel größer als das, wovor man sich fürchtet. Du warst heute sehr mutig. Und wenn du weiter so gut deine Zähne putzt, bleiben sie immer so schön gesund.“
Zu Hause zeigte Finn allen stolz seinen Krokodil-Aufkleber und seine glänzenden Zähne. Abends putzte er sich die Zähne besonders gründlich, denn jetzt wusste er, wie wichtig das war. „Damit Doktor Zahn beim nächsten Mal wieder sagt, dass ich die gesündesten Zähne habe“, erklärte er Mama.
Im Bett kuschelte sich Finn in seine Decke, der Krokodil-Aufkleber klebte schon am Nachttisch. „Tapfer wie ein Krokodil“, dachte er zufrieden und fuhr sich mit der Zunge über seine glatten, sauberen Zähne. Mama gab ihm einen Gutenachtkuss. Die Sterne funkelten vor dem Fenster, und stolz auf seinen Mut beim Zahnarzt schlief der tapfere Finn zufrieden ein. Schlaf gut, Finn. Gute Nacht.
