Im sonnigen Dschungel, gleich am Rand eines weißen Sandstrandes, lebte ein kleiner Affe namens Toni. Toni liebte Kokosnüsse über alles. Doch die süßesten, saftigsten Kokosnüsse wuchsen ganz oben in der höchsten Kokospalme am Strand, und genau dort hinauf traute Toni sich nicht. Die Palme war so hoch und so glatt, und der Boden war so weit weg.
„Komm doch mit nach oben!“, riefen die anderen Affen, die mühelos die Palme hinaufkletterten. „Hier oben sind die besten Kokosnüsse!“ Toni schaute sehnsüchtig hinauf. Sein Bauch knurrte vor Lust auf eine süße Kokosnuss, aber seine Beine zitterten beim bloßen Gedanken an die Höhe. „Ich bleib lieber unten“, rief er zurück und seufzte.
Am Strand traf Toni die alte, weise Schildkröte. „Warum bist du so traurig, kleiner Affe?“, fragte sie. „Ich möchte so gern eine Kokosnuss von ganz oben“, sagte Toni. „Aber ich habe Angst, die hohe Palme hinaufzuklettern.“ Die Schildkröte dachte einen Moment nach. „Weißt du“, sagte sie dann, „manchmal muss man nicht den ganzen Weg auf einmal sehen. Man klettert einfach von Blatt zu Blatt.“
„Von Blatt zu Blatt?“, fragte Toni. „Ja“, sagte die Schildkröte. „Schau nicht nach ganz oben und nicht nach unten. Schau immer nur zum nächsten Halt, den deine Hand erreichen kann. Ein Stück nach dem anderen. So wird aus dem riesigen Weg ein kleiner, machbarer Schritt.“ Toni überlegte. Das klang gar nicht mehr so unmöglich.
Mutig fasste Toni den Stamm der Palme. „Nur bis zum ersten Ansatz“, sagte er sich. Er zog sich hinauf – und schaffte es. „Geht doch“, dachte er erstaunt. Dann schaute er zum nächsten Halt und zog sich wieder ein Stück höher. Immer nur zum nächsten. Er schaute weder hinunter noch ganz hinauf, sondern immer nur auf das nächste kleine Stück.
Höher und höher kletterte Toni, Halt für Halt. Manchmal kribbelte sein Bauch, aber er atmete ruhig und kletterte weiter. „Nur noch ein Stück“, sagte er sich immer wieder. Und ehe er sich versah, hatte er die Krone der Palme erreicht. Dort oben, zwischen den großen Blättern, hingen die dicksten, schönsten Kokosnüsse, die er je gesehen hatte.
„Ich hab es geschafft!“, jubelte Toni und konnte es kaum glauben. Er pflückte eine prächtige Kokosnuss und schaute sich um. Von hier oben war der Ausblick atemberaubend: das weite blaue Meer, der weiße Strand und der grüne Dschungel. „Und ich hatte solche Angst davor“, lachte er. „Dabei musste ich nur ein Stück nach dem anderen klettern.“
Vorsichtig kletterte Toni mit seiner Kokosnuss wieder hinunter, genauso bedacht, wie er hinaufgestiegen war. Unten wartete schon die weise Schildkröte. „Na, hat es geklappt?“, fragte sie lächelnd. „Ja!“, strahlte Toni. „Von Blatt zu Blatt, genau wie du gesagt hast. Danke!“ Er teilte seine süße Kokosnuss mit der Schildkröte, und gemeinsam schmausten sie am Strand.
Am Abend, als die Sonne golden im Meer versank, kuschelte sich Toni satt und stolz in sein Blätternest. „Morgen klettere ich wieder hinauf“, dachte er zufrieden, „ganz ohne Angst.“ Die Wellen rauschten sanft an den Strand, die Sterne kamen über dem Dschungel hervor, und stolz auf seinen Mut schlief der kleine Affe Toni glücklich ein. Schlaf gut, Toni. Gute Nacht.
